Mein Gartenfrühling

„Mein Gartenfrühling beginnt mit Imbolc!“

Das klingt wirklich beeindruckend und nach jahrhundertealtem Wissen. Meine unerfahrene Gärtnerseele ist lange zusammengeschreckt und ganz kleinlaut geworden, wenn mein Gegenüber mit solch geballtem Wissen aufgewartet hat. Inzwischen weiß ich, dass solch ein Satz völliger Unsinn ist. Es funktioniert einfach nicht. Ich notiere nun schon seit 5 Frühlingen, welche Arbeiten ich wann erledige und hoffe jedes Jahr, dass ich aus den Notizen im nächsten Jahr etwas lernen kann. Und trotzdem fängt jeder Frühling auf seine eigene Weise an.

Ich muss den Frühling riechen und fühlen: die Luft riecht plötzlich anders. Ich kann es schwer beschreiben, ein erstes – oder vielleicht auch erst das zweite oder dritte – laue Lüftchen, von irgendwoher zwitschern Vögel und man kann in den ersten Sonnenstrahlen für kurze Zeit wieder auf der Gartenbank sitzen. Sobald die Sonne hinter den Nachbarhäusern verschwindet wird es schnell kalt und erste Frühlingshauch ist wieder vorbei. Aber er war da! Auf dem Weg zurück ins Haus fällt mir dann vielleicht noch eine Schlüsselblume oder gar eine Scilla auf, die gestern noch nicht da war. So fängt für mich der Frühling an. Auch wenn der Winter nun immer mal wieder eine Nachhut schickt, seine Tage sind gezählt und ich fange an mich ernsthaft mit dem Frühling zu beschäftigen.

Wenn also solche Superweisheiten à la „Mein Frühling beginnt mit Imbolc“ nicht funktionieren, weshalb dann trotzdem ein weiterer Text über den Frühling? Ich möchte an dieser Stelle einfach aufschreiben, was für mich den Frühling ausmacht. Vieles davon hängt davon ab, dass mein Garten in einer hügeligen Landschaft ist. Ein bisschen mittelgebirgig, aber weder sturmzerzaust an der Küste, noch hochoben auf der Alm. Ich habe in letzten Jahren erlebt, wie sehr der Eindruck von Frühling genau von diesen Randbedingungen abhängt. Frühling in der Stadt ist ganz anders als auf dem Land und wenn ich das Kapitel zusammenfassen soll, dann mit den beiden Sätzen „Beobachte und finde heraus, was Deinen Frühling ausmacht! Habe den Mut Deine eigene Beschreibung für den Frühling zu finden.“

 

Das Gartenjahr beginnt

Das erste Schneeglöckchen kämpft sich durch die Kälte. Für mich ist das der Anfang des Gartenjahres. Natürlich ist es noch kalendarischer und meteorologischer Winter und ich habe keine Ahnung, ob das Schneeglöckchen sich selbst noch zum Winter oder schon zum Frühling zählt aber für mich ist es trotzdem schon jetzt der Neu-Anfang.

Ich hatte in den letzten Jahren jeweils zahlreiche Gedanken zum Frühling notiert – aber immer wenn ich im folgenden Jahr danach arbeiten wollte, passte nichts davon. Im Herbst ist es für mich nicht so entscheidend, ob ich die Äpfel eine Woche früher oder später ernte, aber im Frühling geht es darum, den richtigen Moment für den Anfang nicht zu verpassen – oder zumindest nicht allzusehr. Ganz vieles passiert dann plötzlich auf einmal und kaum sind die wesentlichsten Dinge erledigt, ist es schon Frühsommer und die Notizen sind wieder einmal nur notdürftig hingekritzlelt.

Doch jetzt wird alles anders. Die Gartenwelt ist um ein neuen Modetrend reicher: Die Phänologie hält Einzug in den Hobbygarten! Bei den dazugehörigen Gartenbüchern ist das oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, da die meisten Bücher eher von „natürlichen Jahreszeiten“ oder dem „Gärtnern mit der Natur“ sprechen. Die Phänologie ist jedoch der Fachbegriff für genau diese natürlichen Jahreszeiten – was auch immer „die Natur“ von Jahreszeiten weiß. Gemeint ist damit, sich von der starren Einteilung in vier Jahreszeiten zu je drei Monaten zu trennen und sich an dem zu orientieren, was gerade in der Natur passiert.

Die Idee ist nicht neu und wenn man anfängt danach zu suchen, zeigt sich, dass es ein weitverzweigtes Netzwerk von Menschen gibt, die über viele Jahre täglich das Wetter und das Wachstum einer Reihe von ausgewählten Pflanzen dokumentieren und weitermelden. Dies ist nun auch in den Marketing-Abteilungen der Gartenbuch-Verlage angekommen und einen hat einen modernen Namen bekommen. Die 10 natürlichen Jahreszeiten.

Für die allermeisten Gärtner ist dies nichts Neues, selbst wenn sie nie ein Buch dazu gelesen haben. Und ob ich das Schneeglöckchen nun als verlängerten Spätwinter oder ersten Frühlingsboten betrachte, soll mir erst einmal egal sein. Ich freue mich, dass der Winter seinem Ende zu geht und ich mit den Vorbereitungen für das Gartenjahr beginnen kann.

 

Keltischer Frühlingsanfang

Ich habe mich so an unsere kalendarischen Jahreszeiten gewöhnt, dass ich ganz überrascht davon war, zu hören, dass es auch anders geht. Für die Kelten begann der Frühling bereits am 2. Februar. „Am 2. Februar? Wie kommt man denn auf so ein schräges Datum“, dachte ich zuerst. Aber es ist ganz einfach und logisch. Der 2. Februar ist genau die Mitte zwischen der Wintersonnenwende und der Tag-Nacht-Gleiche am 21. März. Was haben „die Kelten“ – wer auch immer das so ganz genau war – bloß in dieser Eiseskälte gefeiert? Astronomisch gesehen, macht dieser Tag Sinn: Wenn die Wintersonnenwende und der Tag der tiefsten Dunkelheit „Mittwinter“ genannt werden, dann ist „Winter“ die Zeit vor (6 Wochen) und nach (6 Wochen) eben diesem Mitte-des-Winters und nicht wie der heutigen Rechnung, nur die Zeit nach der Wintersonnenwende (12 Wochen danach). Der keltische Frühling beginnt daher am 2. Februar und geht bis zum 1. Mai.

In der christlichen Tradition findet sich der 2. Februar als Maria Lichtmess wieder. Der 2. Februar ist genau 40 Tage nach Weihnachten und damit der letzte Tag der Weihnachtszeit. Erst an diesem Tag werden in den Kirchen traditionell die Krippenfiguren eingepackt. Für die Bauern begann mit Maria Lichtmess das Arbeitsjahr. Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn und hatten ein oder zwei Tage frei. Es ist für mich immer wieder sehr beeindruckend und lehrreich zu sehen, wie in der Natur und der bäuerlichen Tradition die Dinge miteinander verwoben sind. Zusammenhänge die dem modernen Büro-Menschen völlig fremd geworden sind. Ich mag mich gerne wieder mehr auf die Kreisläufe der Natur um mich herum einlassen, anstatt meinen Jahreskreis von Smartphone und Business-Terminen zerteilen zu lassen.

In den letzten Jahren sind einige Winter ja eher so irgendwie ausgefallen, aber in diesem Jahr wird wieder einmal klar, was eigentlich mit Winter gemeint ist: Erbarmungslose Kälte für Menschen ohne Zentralheizung und Daunenjacken. Gerade bei den zweistelligen Minustemperaturen der letzten Wochen, habe ich mich oft gefragt, wie frühere Generationen diese Zeit aus Dunkelheit und Kälte, in der sie ohne frische Lebensmittel auskommen mussten, überstanden haben. Welche Bedeutung hatte also dieser „Frühlingsanfang“ für die Kelten? Ich vermute, dass es viel mehr um den astronomischen Zusammenhang ging: Die Tage sind wieder länger. Das Licht kehrt zurück! In einer Zeit ohne elektrischen Strom, muss es eine unglaubliche Erleichterung gewesen sein, dass endlich die Dunkelheit wieder wich. Damit ist das aktuelle Wetter wahrscheinlich gar nicht das Thema von Imbolc, wie das keltische Frühlingsfest auch genannt wird.

Ist es nicht erstaunlich, dass sich zu einer Zeit als der Winter noch eine existenzielle Bedrohung war, die Menschen schon über ein nur ein nur symbolisches Näherkommen des Frühlings freuen konnten? Wir dagegen schauen mürrisch auf die Wetter-App des Smartphones, anstatt einfach aus dem Fenster zu schauen, und beschweren uns, dass immer noch Schnee liegt. Ja, es liegt Schnee und es ist kalt aber ich wette, dass wenn es im nächsten Januar dann vielleicht 10 Grad warm ist, die Menschen genauso mürrisch verkünden, dass der Klimawandel uns alle ruinieren wird.

 

Aussaatplan

Immer wieder ist es mir passiert, dass ich am Jahresanfang genau weiß, was ich wann säen will und im Laufe der Monate den Überblick verliere. Ich sortiere das Saatgut und bilde auf dem Schreibtisch Gruppen für Blumen, Gemüse und Salat. Wenn ich dann mit dem Planen fertig bin nehme ich die ersten Sorten und fange an auszusäen. Alles andere Saatgut kommt wieder in die Kiste – und zumindest der Zeitplan gerät in Vergessenheit.

Im Gegensatz zu den letzten Jahren habe ich in diesem Jahr nicht nur meine Saatgut-Kiste sortiert und fehlende Sorten nachbestellt, sondern ich habe gleich auch einen Aussaatplan für das ganze Jahr erstellt. Als allererstes hat mich dabei überrascht, dass die sogenannten Zweijährigen unter den Blumen gar nicht erst im Spätsommer ausgesät werden. Ich muss sie gleich am Anfang der Saison aussäen. Der einzige Unterschied ist, dass sie in diesem Jahr nicht blühen. OK, erste Lektion gelernt.

Bei der zweiten Lektion bin ich gespannt, ob ich im Herbst auch „gelernt“ sagen kann. Ich komme nämlich immer wieder Durcheinander welcher Feldsalat, Mangold, Spinat nun im Frühjahr oder im Herbst ausgesät wird. Bei manchen Sorten geht auch beides, aber meist ende ich damit, dass ich zum falschen Zeitpunkt säe und mit Glück und Anpassungsfähigkeit der Pflanzen dann doch etwas ernten kann. Nun kommt mein Saatplan oben auf die Saatgut-Kiste und wird mich hoffentlich rechtzeitig erinnern.

 

 

 

 

 

 

 

Wilder Salat

Ob jetzt endlich Frühling ist oder nicht, hängt ja nicht nur von der Schneehöhe, also dem Wetter,  und den Frühblühern ab. Der dritte im Bunde der „Frühlingsankünder“ ist der wilde Salat. Noch müsste ich einmal durch den ganzen Garten pflücken, um eine Schüssel voll zu bekommen, aber das wird sich jetzt schnell ändern. Gerade weil es noch so leer auf den Beeten ist, ist es zurzeit so spannend durch den Garten zu schleichen und nach neuen Blättern und Blüten Ausschau zu halten. Noch kann ich sie jedes einzeln begrüßen.

Scharbockskraut gehört zu den Hahnenfußgewächsen, die allesamt giftig sind, enthält aber viel Vitamin C. Ich habe es so gelernt, dass man Scharbockskraut nur vor der Blüte essen sollte, also jetzt.

Vogelmiere ist mir einfach zu mühsam zu ernten. Also entweder man ist nicht so sonderlich wählerisch und ruft das ganze Büschel aus der Erde oder man braucht viel Zeit, um die Blättlein zu zupfen.

Der Sauerampfer hat mich überrascht. Das war mir nicht klar, dass der auch schon so früh im Jahr austreibt. Noch ist er so klein, dass sogar das vor Jahren gekaufte Pflanzschild zu sehen ist.

Giersch, hm nun ja. Ich mag ihn ja als Salat durchaus. Leider habe ich ein Jahr lang den Fehler gemacht, ihn rund um das Hochbeet zu dulden und nicht sofort auszureißen oder abzumähen. Nun hat er dort sein Basislager errichtet und ich habe in den angrenzenden Gemüsebeeten die doppelte Arbeit.

Den Portulak habe ich irgendwann einmal ausgesät – und dann vergessen. Er gehört zu den Pflanzen, bei denen ich mir nicht merken kann, wann ich sie am besten aussäe, ob ganz früh im Jahr oder doch im Herbst und er wächst den Winter über. Nun gut, jetzt ist er da und ich übe weiter.

 

Ideenliste

Mit den ersten Tagen Gartenwetter habe ich ganz automatisch wieder eine meiner Ideenlisten angefangen. Ich nennen sie ganz bewusst nicht ToDo-Liste, weil ich mit letzterem immer den Stress verbinde, nicht alles geschafft zu haben. Die Ideenliste ist für mich – wie der Name schon sagt – eher ein Ort zum Sammeln von Ideen. Da kommt alles drauf, was mir so begegnet, wenn ich durch den Garten laufe. Vieles davon lässt sich gar nicht gleich erledigen und ich weiß auch nicht, wann das Wetter dafür gut genug ist oder ob ich nicht am nächsten Wochenende lieber einen Stadtbummel mache. Also ersteinmal auf die Ideenliste. Die liegt dann immer auf dem Schreibtisch parat und wenn mal eine halbe Stunde oder gar ein ganzer Vormittag Zeit sind, suche ich mir das liebste von der Liste aus. Manches Mal gibt es auch dringende Aufgaben, ja das stimmt, und wenn ich im Sommer Tomaten ernten will, dann muss ich sie langsam mal aussäen. Nicht jede der Arbeiten kann ich also beliebig verschieben. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, wird klar, dass ich selbst derjenige bin, der die Liste geschrieben hat. Die Liste ist keine Zwangs-Vorgabe von außen. Kein Chef sagt mir, was ich davon zu tun habe und was nicht. Wenn ich es also nicht schaffe rechtzeitig Dahlien zu setzen, ja und? Dann haben eben die Astern mehr Platz.

Wenn ich vergangene Ideenlisten ansehe, zum Beispiel die für die Weihnachtsferien, bin ich immer wieder überrascht, wie viel davon erledigt ist ohne dass ich konkrete Termine plane.

  • Sommerflieder schneiden
  • Weg um das Hochbeet bauen
  • Deckel für die Holzvorratskiste
  • Rhabarber versetzen

 

Märzwinter

Zum dritten Mal verspricht die Wettervorhersage, dass es am nächsten Wochenende über 10 Grad warm wird und der Frost vorbei ist. Doch kaum beginnt die neue Woche, relativiert sich diese Aussicht von Tag zu Tag so ein wenig und wenn das Wochenende dann tatsächlich da ist, nehme ich doch wieder die Winterjacke von Haken, wenn ich morgens mit dem Hund zum Brötchenholen los gehe. Heute war es bis zum Nachmittag tatsächlich richtig sonnig, aber kaum war dann die Zeit für den Besuch im Straßencafé gekommen, zogen Wolken auf und ein kalter Wind pfiff mir um die Nase.

In diesem Jahr sah es lange so aus, als fiele der Winter komplett aus. Aber im Februar haben sich doch der Frost und gelegentliche Schneeflocken herangeschlichen und der März entwickelt sich zum echten Wintermonat. Mittlerweile fällt es mir echt schwer, mich durch all die verschiedenen Eindrücke hindurch zu finden. Für die Kelten ist ab 2. Februar Frühling. Phänologisch ist gerade Erst-Frühling. Kalendarisch ist noch Winter. Ja was denn nun? Gibt es eigentlich neben den keltischen, phänologischen und kalendarischen Jahreszeiten auch „gärtnerische“ Jahreszeiten? Dann würde ich die aktuelle Jahreszeit mit „Verwirrung“ benennen.

Nachdem ich nun Jahr für Jahr notiere, welche Blumen wann blühen (besonders bei den Frühblühern!) und welche Gartenarbeiten ich wann erledige, stelle ich immer mehr fest, dass diese Verwirrung aus mildem Winter, spätem Frost und gelegentlichen Sonnentagen genau das ist, was den Frühling ausmacht. Die Erfahrung des Gärtners ist es, sich durch diese vielseitigen Eindrücke hindurchzufinden und für den eigenen Garten zu entscheiden, was denn der richtige Zeitpunkt und die richtige Arbeit ist.

In meinem Garten haben Schlüsselblumen und Kugel-Primeln, die im Februar schon in Aufbruch-Stimmung waren, sicherheitshalber noch einmal in den Wintermodus gewechselt und hocken nun mit fast geöffneten Blüten tief am Boden als wollten sie sagen „wir sind noch gar nicht da“. Die Notizen aus anderen Jahren zeichnen dagegen ein völlig anderes Bild. War das „früher“ auch so ein Durcheinander mit dem Wetter im Frühjahr? Man ist ja mittlerweile geneigt hinter jeder Wolke gleich den Klimawandel zu vermuten und hinter einigen steckt er wohl auch. Doch, wenn früher immer das gleiche Wetter gewesen wäre, jeder Februar frostig, jeder März in Duftveilchen getaucht, dann hätte sich niemand die Mühe gemacht die Zusammenhänge zwischen Pflanzenwachstum und Wetterlagen als Bauernregeln festzuhalten.

Bei aller Verwirrung um das Wetter und Rückschlägen mit plötzlichem Frost, ist der Frühling doch auch immer Aufbruch und Neubeginn. Irgendwann reicht es mir dann einfach mit der Kälte und ich lasse mich dann nicht mehr von neuerlichen Schneeschauern schrecken. Ja, in manchen Jahren werden nocheinmal einige Pflanzen erfrieren, in anderen gibt es im April die ersten Garten-Picknicks, aber auf jeden Fall gibt es bald den ersten frischen Salat und mit der neuen Aussaat rückt dann wieder das Werden in den Blick, der nun einige Monate von Vergehen, Kälte und Dunkelheit gebannt war.

 

Der Start ins Tomatenjahr

Die Aussaat der Tomaten ist für mich jedes Jahr ein besonderer Moment. Inzwischen ist zwar so etwas wie Routine hinzugekommen, aber da dämpft die Vorfreude auf das neue Gartenjahr nicht. Zusammen mit den Tomaten säe ich noch eine Reihe weiterer Pflanzen aus, bei denen ich nicht so sehr zwischen bestimmten Sorten unterscheide. Letzteres macht ein Teil der Faszination der Tomaten aus, dass es in jedem Jahr wieder eine neue Frage ist, welche Sorten gut gelingen und welche ich neu kennenlerne, um sie für das nächste Jahr einzuplanen. Damit stehen die Tomaten symbolisch für den Start des Fensterbank-Gartens, der sich in den nächsten Wochen entwickeln wird, um dann Stück für Stück nach draußen zu wandern.

In diesem Jahr schaffe ich es, mich an meinen Vorsatz vom letzten Jahr zu halten: Ich beschränke mich auf die Sorten Rote Zora, Rio Grande und Matina. Die einzige Abweichung vom Plan, die ich mir dann doch erlaube ist die Sorte Moneymaker. Das ist eine Neu-Entdeckung (für mich) aus dem Katalog von Bingenheimer.

Leider ist es mir nicht gelungen die Tomatoberry-Pflanzen über den Winter zu bekommen. Bei einer Wildtomate war mir im Spätsommer ein Zweig abgebrochen und es war gelungen ihn – quasi als überdimensionalen Steckling – als eigene Pflanze zu ziehen. Dies habe ich später dann auch mit der Sorte Tomatoberry versucht, da die Samen recht schwer zu bekommen sind. Doch es war wahrscheinlich schon zu spät im Jahr und die Pflanzen haben keine Wurzeln mehr gebildet.

In den letzten Jahren habe ich erlebt, wie zäh Tomatenpflanzen doch sind. Zum Beispiel an dem abgebrochenen Seitentrieb, der ohne Probleme Wurzeln bildete, aber auch mit Selbstaussaat. Im Sommer abgefallene Tomaten sind über den Winter zerfallen und aus den Kernen sind ohne meine Unterstützung neue Pflanzen gekeimt. Daher werde ich in diesem Jahr damit beginnen, den Tomaten etwas mehr „Wind und Wetter“ zuzumuten als bisher. Ich säe die Tomaten 14 Tage früher aus und werde die Pflanzen bereits ab April auf den Balkon stellen. Bei drohendem Frost werde ich die Mehrzahl der Pflanzen nach drinnen holen. Mindestens eine werde ich auch bei leichtem Frost draußen lassen und eine weitere sogar schon in den Garten setzen. Ich möchte damit weitere Erfahrungen sammeln, was genau Tomaten an Temperaturen noch vertragen und was nicht.

 

Winterverluste

Lange hatte ich die frostempfindlichen Pflanzen draußen stehen gelassen. Bis weit in den Dezember war hier kein Frost. Als es dann im Februar kalt wurde, habe ich sie doch in die helle und frostfreie  Garage geräumt. Seit einigen Tagen hole ich sie nun Stück für Stück zurück in den Garten. Doch leider ist mir vieles eingegangen. Auch eine ganze Stiege vorgezogener Zweijähriger in 10 cm Plastiktöpfen: Königskerze, Muskateller-Salbei, Wegwarte. Die kann ich zwar neu aussäen, aber eben nicht für dieses Jahr, das ist echt ein Haken an den ZWEI-jährigen. Der Name sagt es schon.

Die Pflanzen, die ich aus lauter Vorsicht vor Kälte schützen wollte sind nun stattdessen vertrocknet. Ich hatte durchaus zwischendrin nachgesehen, wie es den Töpfen geht, aber wohl nicht genug. Nun frage ich mich natürlich, wie es den Pflanzen im Garten ergangen wäre? Hätten sie den Winter womöglich besser ohne meine Hilfe überstanden? Vor Jahren habe ich beim Umbau eines Beetes genau die entgegengesetzte Erfahrung gemacht: Pflanzen, die „eigentlich“ frostfest sind, sind mir erfroren, weil sie in Töpfen im Garten standen und nicht in der Erde verbuddelt waren.

Die Lösung dieses Dilemmas bringt wohl nur die langjährige Erfahrung des Gärtners. Da lässt sich noch so viel in schlauen Büchern nachschlagen und trotzdem wird immer wieder die eine Pflanze vertrocknen während die andere erfriert, bis man genug Erfahrung hat, um selbst entscheiden zu, dass die Wegwarte ohne Pflege besser zurecht kommt als mit Winterschutz während die Kugelprimel ohne Zögern erfriert, wenn sie nicht fest in der Erde vergaben ist. Diese Erfahrung lässt sich nur von Jahr zu Jahr lernen und selbst nach vielen Jahreskreisen ist es vielleicht nicht mehr als eine Art von Gefühl, was man der einen Pflanze zutrauen, ja zumuten kann und was nicht. Für mich macht solche eine Art von Erfahrung deutlich, wie sehr die Natur in Kreisläufen lebt oder gar „denkt“ und dass auch ich als Gärtner ein Teil dieses Kreislaufes bin.

 

Gartentagebuch: Der erste Gartentag!

Ganz egal, ob es nun der 5. April oder gar schon der 17. März ist, irgendwann ist der erste richtige Gartentag des neuen Frühlings! Heute Morgen war die nahe gelegene Autobahn A7 Kassel – Würzburg wegen Schneetreiben gesperrt. Quasi ein Aprilscherz des Wettergottes. Gerade einmal 12 Stunden später locken mich der strahlende Sonnenschein und 12 °C in den Garten. Ich will nur gerade eben mal schauen, ob ich vielleicht die Buchensetzlinge, die vorgestern per Post kamen einpflanzen kann. Doch kaum bin ich im Garten gibt es bei jedem Schritt eine neue Aufgabe, die zu tun ist. OK, jetzt fängt also das wieder an :-) Ich muss mir gar keinen Plan mehr machen, sondern gehe einfach nach draußen und erledige die Dinge, die mir über den Weg laufen. Heute schneide ich den lieb und knorrig gewordenen Salbei zurück, steche die Hälfte des zu groß gewordenen Pfefferminz-Busches aus und entferne dessen, trotz massiver Wurzelsperre, wuchernden Seitentriebe.

Außerdem schneide ich auch den Lavatera-Strauch zurück. Im letzten Jahr habe ich mich durch Angaben wie „nicht völlig winterhart“ verwirren lassen und war froh, dass der Busch wieder kräftig ausgetrieben ist. Darüber habe ich dann versäumt ihn genauer im Auge zu behalten und er hat sich im Laufe des Sommers zu einem wirren Ungetüm entwickelt. Nun habe ich mal genauer nachgeforscht. Als erstes zeigt sich, dass schon der Name eine Kunst für sich ist. Je nach Quelle handelt es sich um Buschmalven, Strauchmalven, Bechermalven oder Strauchpappeln. Ich habe eine Lavatera Barnsley, die tatsächlich in sehr kalten Wintern einen Schutz braucht aber im Frühjahr einen radikalen Rückschnitt à la Sommerflieder verträgt. Welche Pflanze nun eine Barnsley ist und welche nicht, da sind sich die Verkäufer allerdings ebensowenig einig, wie bei dem deutschen Namen.

Während ich meinen begeisterten Bericht über den Sonnenschein und die aufbrechende Gartenlust schreibe, ist die Sonne hinter den Dächern verschwunden und es wird merklich kühler. Noch werden die sonnigen Nachmittage im Garten zwar die Ausnahme bleiben, aber der Bann ist gebrochen!

 

Mauersegler und Holunderblüte: Die Sommerboten

Die Mauersegler sind wieder da! Die Flugkünstler, die allabendlich mit ihrem Srie-Srie um die Hausecken fegen! Gerade habe ich noch darüber nachgedacht, ob denn nun endlich Frühling ist, und nun sind meine ganz persönlichen Sommerboten wieder da. Seit ich entdeckt habe, dass wir nicht alleine in unserem Haus wohnen, sondern auch ein Mauerseglerpaar jedes Jahr ihre Sommerfrische hier verbringt, warte ich gespannt auf die erste Maiwoche und hoffe, dass die beiden gut hier ankommen.

Anfangs habe ich mich gesorgt, wenn es noch einmal richtig kalt wurde oder tagelang regnete. Mittlerweile weiß ich, dass die Mauersegler schlechtem Wetter einfach ausweichen. Sie fliegen dann gerade mal so eben 50 oder 100 Kilometer weiter und suchen sich für ein paar Tage einen Platz ohne Regen. Wenn das Wetter wieder besser ist, kehren sie zurück. Für jemanden, der fast sein ganzes Leben in der Luft verbringen, ist es offensichtlich ein Leichtes einer Kaltfront davon zu fliegen.

Die Mauersegler nisten bei uns direkt unter den Dachziegeln und zu viel Wärme ist in ihrer Dachwohnung schlimmer als schlechtes Wetter. Im Sommer ist schon einmal ein Jungtier aus dem Nest gefallen, weil es vor der Hitze flüchten musste, aber noch nicht fliegen konnte. Wir haben zum Glück eine Mauerseglernothilfestation in der Nähe gefunden und das Junge dort schnell genug zum Aufpäppeln vorbeigebracht. Seitdem sind die Mauersegler unsere ganz besonderen Freunde und wir achten besonders bei großer Hitze sehr genau darauf, ob eines der Jungtiere droht aus dem Nest zu fallen.

Kaum zwei Wochen nach den Mauerseglern tritt mein zweiter Sommerbote auf den Plan: Der Holunder. Mittlerweile ist es warm genug, um wieder draußen zu frühstücken. Dabei geht mein Blick auf von der Terrasse direkt zu einem Holunderbusch, der vor Jahren als wilder Trieb aus der Hecke herauswucherte. Ich habe ihn Jahr für Jahr so beschnitten, dass mittlerweile ein kleiner Hochstamm aus ihm geworden ist.

Kalendarisch ist die Ankunft der Mauersegler eine Woche vor den Eisheiligen und die Holunderblüte eine Woche danach. Einerseits kündigt sich bereits vorsichtig der Sommer an. Andererseits muss man noch mit den allerletzten Ausläufern des Winters rechnen. Damit hört der Frühling mit der gleichen Ungewissheit auf, wie er angefangen hat.

Oder, wenn man Frühlingsanfang und Sommeranfang vergleicht, der Sommeranfang ist genauso eine individuelle Entscheidung wieder Frühling. Natürlich hat jeder seine ganz eigenen Bilder für den Sommer vor Augen. Aber ganz gleich wie romantisch (Kindheitserinnerungen von endlosem Sonnenschein zwischen Ostern und Erntedank) oder realistisch (Wegwarte als Zeigerpflanze des phänologischen Hochsommers) diese Bilder sind, selbst mit noch so vielen Gartenratgebern, lässt sich nicht im Vorhinein definieren, dass in diesem Jahr ab dem 11. Juni Sommer ist. Es bleibt die ganz persönliche Entscheidung des Gärtners aufgrund seiner Erfahrung und des Erlebens der Rhythmen der Natur zu entscheiden, dass nun ganz sicher bald der Sommer naht.

 

 


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