Tomatensommer

Dies wird mein Jahr der Tomate! Im Geiste sehe ich im Keller bereits die langen Reihen mit Gläsern der verschiedensten Tomatenprodukte vor mir: Tomaten-Chutney, in Öl eingelegte Tomaten, Tomatenmark, Tomaten Ketchup. Eines leckerer als das andere! Ich muss nur „gerade noch eben“ die Pflanzen aussäen, aufpäppeln, nach den Eisheiligen auspflanzen und auf die Ernte warten. So kinderleicht, wie das wird, kann ich quasi direkt nach der Aussaat damit beginnen, Rezepte für die Konservierung der Tomatenflut zu suchen.

 

1  Die Vorbereitung: Das Tomatenbuch

Meine Frau unterstützt das Projekt durch ein Buch über Tomatensorten, das sie mir geschenkt hat. Ich fange also an zu lesen und tauche ein in einen ganzen Kosmos aus Sorten, Eigenschaften, Farben, Größen, Wuchshöhen und Reifezeiten. Anfangs wollte ich gerade einmal 4 Sorten von Dreschflegel pflanzen und fand das schon viel. Dreschflegel, weil ich deren Schaugarten besucht habe und von dem Konzept und der Arbeit der Leute beeindruckt bin. Außerdem beschäftigen sie sich mit Sorten, die für das Freiland geeignet sind und ich habe quasi ausschließlich Freiland. Zwar bietet eine Hauswand etwas Schutz und Wärme, aber es gibt kein Dach oder Gewächshaus. Wenn ich in diesem Jahr noch ernten will, kann ich nicht erst noch anfangen ein Gewächshaus zu bauen oder ähnlichen organisatorischen Aufwand zu betreiben. Außerdem soll sich das Tomaten-Projekt auch wirtschaftlich lohnen – wenigstens ein bisschen – und wenn ich die Kosten für ein Gewächshaus auf die zu erwartende Anzahl an Gläsern mit Tomatenprodukten umlegen muss, dann kann ich die Tomaten auch gleich im Feinkost-Laden kaufen und mir den Anbau sparen.

Das neue Tomatenbuch macht klar, dass ich erst einmal in Mark-, Salat-, und Cocktail-Tomaten unterscheiden muss, mindestens. Für die einzulagernden Tomatenkonserven brauche ich natürlich Mark-Tomaten. Gut, dass ich nicht einfach so drauf los gepflanzt habe. Also erst einmal zwei Mark-Tomaten. Für das Freiland gibt es ebenfalls spezielle Sorten. Die nehme ich auch beide. Wer weiß, welche für meinen Garten geeignet ist? Wenn ich das der Reihe nach ausprobiere, bin ich Rentner, bis ich fertig bin. Und dann kommt noch dazu, dass jedes Jahr anderes Wetter ist. Das sind ja Kombinationen ohne Ende. Also vielleicht doch gleich 3 Sorten für das Freiland? Hänge- und Wild-Tomaten lerne ich als ganz neue Varianten kennen. Am besten auch je zwei verschiedene. Die Hängetomaten könnten auf die Fensterbank. Da ist noch Platz und sie stören niemanden. Wildtomaten sind grundsätzlich resistenter gegen Krautfäule als andere Sorten. Es gilt quasi, je größer die Früchte, desto empfindlicher die Pflanze bzw. je kleiner die Früchte, desto näher an der Wildtomate. Das ist gut zu wissen, aber um den Überblick nicht völlig zu verlieren, muss ich mir diese Sorte für das nächste Jahr aufheben. Von meinen Eltern und aus Spanien-Urlauben kenne ich riesige Fleischtomaten. Die sind wohl schwierig, aber eine Sorte sollte gleich im diesjährigen Versuchsgarten vertreten sein. Sozusagen als Hommage an die Urlaube der Kindheit. Zum Schluss noch die eine veredelte Sorte aus dem Pflanzenmarkt, die im letzten Jahr gut getragen hat. So kommen schnell 10 Sorten zusammen. Aber alles ganz logisch und eigentlich gerade mal das Mindeste.

Nun habe ich also eine Liste mit 10 Sorten. Eine kaufe ich als Pflanze, 4 Sorten habe ich schon von Dreschflegel. Für die restlichen 5 muss ich nun erst einmal Samen kaufen. Hm, na klar muss ich Samen kaufen, aber wo und wie mache ich das eigentlich? Bei meinen bisherigen Quellen für Blumensamen gibt es neben „Harzfeuer“ gerade mal ein oder zwei weitere Sorten, mit so verführerischen Namen wie „Tomate, Cocktail“. Dafür habe ich nicht ein ganzes Buch zu Tomaten gelesen, um nun irgendeine namenlose Cocktail-Tomate zu pflanzen. Da muss es schon genau Cerise (rot) sein. Also auf ins Internet. Es gehört zwar mittlerweile fast zum guten Ton gegen den „Internet-Buchhändler der ersten Stunde des Internets, der mittlerweile auch Kühlschränke, Yoga-Matten und Motorrad-Kleidung liefert“ zu sein, aber ich frage mich, „Was ist eigentlich die Alternative?“. Die Alternative sind samenfeste Sorten, die über Generationen hinweg innerhalb der Nachbarschaft weitergegeben wurden. Tja, wenn ich mal seit Generationen hier wohnen würde, wäre das vielleicht tatsächlich so. Nun muss ich als „Zugezogener“ – der noch nicht einmal im Fußball-Verein ist, also noch das ein oder andere Jahrzehnt braucht, bis die Einheimischen ihn akzeptieren – versuchen irgendwie einen Anfang zu finden. Wenn ich dann die samenfesten Sorten habe, komme ich gerne auf den Tausch unter Nachbarn zurück!

Über den „Herrn mit den vielen oooooo im Namen, der für mich das Internet durchforstet“, finde ich heraus, dass es überraschend viele Bezugsquellen für ungewöhnliche Tomatensorten gibt. Vom klassischen Pflanzen-Versandhandel bis hin zu Spezial-Händlern für Tomaten, Paprika, Kürbisse und andere Gemüse. Jetzt habe ich also eine Liste mit Tomaten-Sorten und eine Auswahl an Internet-Händlern. Dummerweise passt beides nicht zusammen. Manche Sorten gibt es bei keinem der Händler. Andere nur bei jeweils einem, so dass für jeweils ein Tütchen Tomaten-Samen noch die gesamten Versandkosten des jeweiligen Händlers dazu kommen. Ich sortiere also die Sorten noch einmal neu, lasse zu schwierig zu bekommende weg und ergänze durch solche, für die ich einen Händler gefunden habe.

Was vor zwei Wochen noch wie ein Kinderspiel aussah hat sich mittlerweile halbwegs zu einer Wissenschaft entwickelt ohne, dass ich eine einzige Pflanze auch nur gesehen habe. Von Tomaten ganz zu schweigen.

Muss ich erwähnen, dass jeder einzelne der ernsthaften Tomatensamen-Händler wiederum einen weiteren Kosmos an Tomaten-Sorten vorstellt? Beim ersten Händler hat es mich noch überrascht. Alles Weitere überlasse ich der Phantasie des Lesers.

Schließlich sind es 12 Sorten, die ich selbst aussäe, nur eine werde ich als Pflanze kaufen. In den Samenpackungen sind oft gerade einmal 10 bis 15 Körner. Anfangs finde ich das erschreckend wenig. Bisher kenne ich eher Samenpackungen für Ringelblumen oder „Sommerwiese“ in denen jeweils eine ganze handvoll Körner sind. Als ich alle Sorten zusammen habe und mit der Aussaat beginne wird mir jedoch klar, dass ich nicht einmal die wenigen Körner brauche, die in den Packungen sind. Wenn ich die alle aussäe, kann ich in 6 Wochen einen Handel mit Tomatenpflanzen eröffnen. Obwohl, vielleicht ist das sogar gar keine so schlechte Idee…

2  Von der Samentüte zu den Eisheiligen

Es ist Anfang März und das Wetter ist fürchterlich: Kalt, windig, regnerisch. Gar nichts zum Draußen sein. Dafür werde ich heute meine Tomaten aussäen.

Damit ich nicht den Überblick verliere, fange ich eine Liste mit den Aussaat-Terminen und der Anzahl der verwendeten Samen an. Dort notiere ich dann später, ob die Samen aufgegangen sind und wie die Pflanzen geworden sind, damit ich im nächsten Jahr noch weiß, was gut funktionierte und was nicht:

  • Kirsch-Tomate: Tiny Tim , Tumbling Tom
  • Cocktail-Tomate: Celsior , Cerise (rot), Tomatoberry
  • Salat-Tomate: Sportivo , Subarctic Plenty , Tigeralla
  • Mark-Tomate: Rio Grande , San Marzan
  • Fleisch-Tomate: Costoluto Fiorentino

Knapp drei Wochen später setze ich die Pflänzlein in größere Töpfe um. Es sind recht viele etwas geworden und auch das Umsetzen geht recht gut.

Nun gilt es die größer werdenden Pflanzen zu pflegen, noch einmal umzutopfen und an Schaschlik-Spieße anzubinden. Außerdem heißt es auf die Eisheiligen zu warten.

Da von der ersten Aussaat nicht alle etwas geworden sind, säe ich in der Aussaatkiste nochmal aus. Eigentlich sind sie zu spät und mittlerweile auch zu viele, aber dafür habe ich nun endlich genug von den ungewöhnlichen Sorten Tigerella und Tomatoberry

Am 17. Mai ist es dann endlich soweit. Der Umzug der Tomaten ins Freiland steht an. Der Tag war als “bewölkt” angekündigt. Ideal zum Auspflanzen der Tomaten. Nach anfänglichen Wolken wird es dann aber schnell sonnig und sehr warm. In der prallen Sonne will ich die Pflanzen nicht setzen. Ich warte als den späten Nachmittag ab, damit es an meinem Tomatenbeet wieder Schatten ist.

Anfangs hatte ich nur mit zwei Standorten für Tomaten geplant: Ein echtes Beet im Freiland und eine selbstgebaute Kiste, eine Art Hochbeet, an der Hauswand. Da es nun so viele Sorten und Pflanzen geworden sind, werde ich zusätzlich einige Kübel auf den unbenutzten Balkon stellen. Dort ist es sonnig und überdacht. Das sollte den Tomaten gefallen. 10 Tomatenpflanzen verteile ich auf die Tomatenkiste und das Freiland. Wenn ich denke, wie viel Arbeit und Zeit in diesen wenigen Pflanzen bereits jetzt steckt, esse ich gekaufte Tomaten mit einer ganz anderen Ehrfurcht. Sicher, die werden anders aufgezogen und gepflanzt, aber Arbeit ist es trotzdem. Sicher, ich habe heute nicht nur die Tomaten gesetzt, sondern noch andere Arbeiten im Garten erledigt, aber das Anschließen der Regenfässer gehört halt auch dazu, wenn ich Tomaten ernten will.

Nach den 10 Pflanzen im Freiland kommen 6 weitere auf den Balkon. Insgesamt ist das immer noch überschaubar. Mancher wird es als kaum erwähnenswert belächeln, andere empfinden mehr als 2 Pflanzen schon als Überforderung. Für mich ist es das erste Jahr mit verschiedenen Sorten und Standorten und ich bin gespannt, was funktioniert und was vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall hoffe ich noch immer auf eine reiche Ernte.

 

3  Tomatenmarketing

Da ich trotz der 16 Pflanzen im eigenen Garten nun zahlreiche Setzlinge zu viel habe, beginne ich damit einige Tomatenpflänzchen zu verkaufen. Die Erfahrungen mit den Kunden sind sehr vielschichtig, aber an einigen Stellen deutlich anders als ich erwartet hatte und wie ich mich vorbereitet hatte.

Die ersten Pflanzen verkaufe ich auf dem Wochenmarkt in meinem Provinzstädtchen. Der Markt besteht aus 5 bis 10 sehr unterschiedlichen Buden. Jeder der will darf hier seine Bude oder auch einfach nur einen Tisch mit Ware aufstellen. Ich habe extra Photos der ausgewachsenen Pflanzen bzw. deren Früchte und jeweils eine kurze Sortenbeschreibung mitgebracht. Die Kunden – hey ich habe „Kunden“! – die meine Pflanzen kaufen, achten aber mehr auf die Größer der Pflanze auf dem Tisch und nicht danach, was es mal werden soll. Es wird gar nicht wahrgenommen, ob die Tomaten groß oder klein sind und welche Sorte es ist.

In der nächsten Woche nehme ich die überzähligen Pflanzen mit in die Großstadt ins Büro und lege einen Zettel in die Tee-Küche “Tomaten günstig abzugeben”. Ersteinmal passiert irgendwie gar nichts. Der Zettel liegt dick und fett in der gut besuchten Küche, aber viele Kollegen nehmen in gar nicht wahr.

Daraufhin stelle die Kiste mit den Tomatenpflanzen vor meinem Büro auf den Flur. Echte Pflanzen in einem kahlen Büro-Flur sorgen für deutlich mehr Aufsehen als jeder noch so gut formulierte Zettel neben der Kaffeemaschine und ich bekomme einige Anfragen. Die erste “Kundin” hat die Tomate schon ausgewählt, bevor sie die Sorten überhaupt kennt. Die Fragen sind ganz anders als in der Provinz. Auch zeigt sich, dass keiner der Käufer oder Interessenten einen Garten hat. Alle haben nur einen Balkon.

Ob es eine anspruchsvolle Fleisch-Tomate oder eine in 3 Meter Höhe wuchernde Cocktail-Tomate ist und der konkrete Sortennamen sind bei den bisherigen Kunden viel weniger wichtig als ich erwartet hatte. Die Tomate wird nach dem Aussehen des Setzlings (schön, groß, kräftig) ausgesucht:

  • Auf dem Land ist wichtig, dass die Pflanze beim Kauf groß und kräftig ist.
  • In der Stadt ist wichtig, dass die Pflanze auf dem Balkon klar kommt.

Damit wird klar, dass es für den Verkauf wichtig ist schöne Pflanzen zu haben. Sobald also eine großwüchsige Cerise dabei steht, wird sie ausgewählt, weil die kleineren Pflanzen als “weniger gut” eingestuft werden. Insgesamt verkaufe ich sowohl in der Provinz als auch im Büro jeweils etwa 10 Pflanzen. Bis ich davon leben kann, wird also noch eine Weile – eine ziemliche große Weile – vergehen, aber im Nachhinein bin ich überrascht mit wie wenig Aufwand es doch gelingt Tomaten zu verkaufen.

Eine Kombination aus Kundensicht und meinen eigenen Kriterien könnte sein, die Tomaten je Sorte (Cocktail, Kirsch, Fleisch…) in extra Kisten zu packen und zu jeder Kiste ein deutliches Schild zu stellen „Balkon“ / „Freiland“ / „sehr hoch“ oder die Garten-Sorten erst gar nicht ins Büro mitzunehmen und die Balkon-Sorten auf dem Land-Markt nicht anzubieten.

 

4  Zwischenstand: Juni

Knapp 6 Wochen nach der Pflanzung ist es Zeit für ein erstes Zwischenergebnis: Welche Pflanze hat sich wie entwickelt? Lässt sich schon etwas für die nächste Saison festhalten? Wo gibt es die schon (reife?) Tomaten?

Kirsch-Tomaten: Tiny Tim / Tumbling Tom

  • 30 bis 50 Zentimeter hoch. Viele Blüten und einige grüne Tomaten /

Cocktail-Tomaten: Celsior / Cerise (rot) / Tomatoberry

  • Die Cocktail-Tomaten neigen zum Verzweigen und Cerise wächst zudem unaufhaltsam in die Höhe.

Salat-Tomate: Sportivo / Subarctic Plenty / Tigeralla

  • Bei den Salat-Tomaten ist die gekaufte und veredelte Sorte den selbstgezogenen etwa 1 bis 2 Wochen voraus.

Mark-Tomate: Rio Grande / San Marzan

  • Die beiden Mark-Tomaten sind sehr unterschiedlich vom Aussehen her. Beide wachsen gut, aber alle Pflanzen auf dem Balkon sind etwas hinterher.

Fleisch-Tomate: Costoluto Fiorentino

  • Die Fleisch-Tomate bleibt ein Experiment. Ich habe kein Tomatenhaus als Schutz und wenn 4 oder 5 Tomaten ernte, sehe ich es als großen Erfolg.

Fazit: Bisher fruchtet hauptsächlich die gekaufte Sportivo. Sportivo war den anderen Pflanzen sicher etwa 14 Tage voraus, da sie schon Blüten hatte, als ich sie auspflanzte. Von den samenfesten Sorten haben nur die Topf-Tomate Tumbling Tom und die Cocktail-Tomaten Cerise schon (grüne) Früchte.

Am kräftigsten sind die 4 Pflanzen im Tomaten-Hochbeet. Alle anderen, egal ob Freiland, Kübel oder Kübel&Balkon sind weniger kräftig und haben etwas hellere Blätter. Die Kiste ist offensichtlich die optimale Kombination aus Regenschutz, Wärme der Hauswand, genug Nährstoffe und Feuchtigkeit. Die Pflanzen auf dem Balkon sind alle etwas kleiner. Vielleicht ist die Nährstoff- und Wasser-Versorgung dort etwas schlechter.

Ich habe den Eindruck, dass die verschiedenen Angaben wieviele Tage zum Ausreifen der Früchte benötigt werden, eher grobe Orientierungen und wenig verlässlich sind. Selbst Cerise und Celsior fruchten schneller als Subarctic Plenty, die eigentlich die erste hätte sein müssen.

Da ich in diesem Jahr so ausführlich notiert habe, was ich wann gemacht habe, kann ich für das nächste Jahr einen guten Plan machen und mich auf die Sorten konzentrieren, die bei mir funktionieren. Vielleicht werde ich es aufteilen in “Pflanzenzucht zum Verkauf” und “Eigener Anbau”.

 

5  Zwischenstand: Juli

Das Wetter aus Wärme und Regen hat die Tomaten Ende Juli ordentlich auf Trab gebracht. Sie sind alle noch einmal tüchtig gewachsen. Cerise ist jetzt größer als ich und hat die erste rote Tomate. Tigerella hat zahlreiche deutlich gestreifte (noch grüne) Tomaten. Tumbling Tom hat mittlerweile einige rote Tomaten. Auch Sportivo hat rote Tomaten. Jetzt geht es also endlich los mit Tomaten-Ernte.

Alle Pflanzen der Sorte San Marzano leiden heftig an Blütenendfäule. Laut Tomatenbuch liegt es an Calcium-Mangel. Die drei Pflanzen bekommen nun jeweils eine extra Portion kalkhaltiges Leitungswasser und Dünger. Ich bin gespannt, ob das hilft. Bisher sehe ich keine Verbesserung.

Uabhängig von der Blütenendfäule scheint mir den Balkon kein guter Platz für „erwachsene“ Stabtomaten. Zur Aufzucht ist es sicher eine Ergänzung, aber für die ausgewachsenen Pflanzen ist wohl selbst der 45-Liter Kübel zu klein oder die Erde zu schlecht. Gleichzeitig sind auch die Kübel-Pflanzen im Garten nicht so kräftig wie die in der Tomatenkiste, obwohl sie gute Erde und Pferdemist haben.

Wenn es mir gelingt die Pflanzen im nächsten Jahr etwas früher zu ziehen und schon am Anfang Mai in Töpfen auf den Balkon zu stellen – um sie bei schlechten Wetter noch retten zu können – lässt sich die erste Ernte vielleicht auf Anfang Juli vorverlegen. Die erste Jahreshälfte bleibt dann zwar trotzdem ohne eigene Tomaten, aber es ist einen Versuch wert, die eigene Ernte so früh wie möglich zu bekommen.

Ich bin weiterhin gespannt, wie sich die Ernte entwickeln wird und werde mich im nächsten Jahr wahrscheinlich auf weniger Sorten beschränken.

 

6 Tomatenbilanz

Die Erntemenge ist insgesamt recht dürftig. Wenn ich überlege wie viel Arbeit ich in Aufzucht und Pflege gesteckt habe und dafür gab es nun alle paar Tage drei bis fünf Tomaten. Sämtliche Rezepte für die Konservierung von Tomaten bleiben ungenutzt.

Auf die Balkongärtnerei werde ich im nächsten Jahr verzichten. Tomaten wird es wieder geben. Auch in Kübeln oder im Freiland, aber die Balkongärtnerei funktioniert nur, mit richtig großen Kübeln, guter Erde und reichlich Wasserversorgung. Entweder muss man täglich einige Kannen schleppen oder ein Wasserfass auf dem Balkon haben. Sobald man das ernsthaft betreiben möchte und nicht nur ein, zwei Töpfchen zur Zierde hat, wird es nicht nur von der Arbeit her aufwändig, sondern auch ein Frage der Statik: Große Tomatenkübel und Wasserfass, da kommen schnell einige Hundert Kilo an Gewicht zusammen.

So ist es mir mit meine Sorten ergangen:

Kirsch-Tomaten: Tiny Tim / Tumbling Tom

  • Viele kleine rote Tomaten. Als Ergänzung oder für Menschen ohne Garten als Balkon-Tomate sinnnvoll. Für eine Schüssel Salat oder eine Soße zum Mittagessen braucht es aber schon einige Pflanzen.

Cocktail-Tomaten: Celsior / Cerise (rot) / Tomatoberry

  • Celsior: Kleine längliche Tomaten. Fängt erst am Ende der Saison wirklich an reichlich zu tragen, trägt dann aber am längsten.
  • Cerise: Sehr hoch (deutlich über 2 Meter) und dieses Jahr im Freiland nicht beständig, da es zu viel geregnet hat..
  • Tomatoberry: Sehr viele kleine Früchte. Vom Geschmack her die leckerste Sorte.

Salat-Tomate: Sportivo / Subarctic Plenty / Tigeralla

  • Sportivo: Sehr wüchsig. Viele Früchte. Die zahlreichste Ernte. Gegen Ende der Saison stark von Krautfäule betroffen. Es ist eine Frage der Philosophie, ob man Wert auf samenfeste Sorten legt oder einfach nur auf wenig Platz eine möglichst hohe Ernte erzielen möchte.
  • Subarctic Plenty: Erst relativ spät die ersten roten Tomaten. War als Frühstarter gedacht. Dafür nicht sinnvoll.
  • Tigerella: Die Ernte ist nur mäßig üppig, aber trotzdem OK. Sieht als grüne Tomate lustig aus, ist aber an der reifen Frucht so gut wie nicht zu erkennen. Wenn man nur 10 Plätze hat, muss das nicht sein.

Mark-Tomate: Rio Grande / San Marzan

  • Rio Grande: Niedriger und buschiger als San Marzan, aber verlässliche Früchte
  • San Marzano Leider fast alle Früchte mit Blütenendfäule.

Fleisch-Tomate: Costoluto Fiorentino

  • Reichlich grüne Früchte, aber kaum Ernte. Die vielen Früchte werden nicht reif. Das ist ein Fall für das Gewächshaus.

 

7  Septembergarten

Im September sind viele Pflanzen von der Krautfäule dahingerafft. Im Freiland habe ich Cerise schon gerodet. Die Pflanzen aus dem Tomatenhochbeet (Fiorentino, Tigerella und Sportivo) kommen jetzt auch weg. Celsior kann ich noch lassen.

Die Balkonpflanzen sehen nicht so übel aus, wie die aus der Kiste oder dem Freiland. Gleichzeitig hat San Marzan auf dem Balkon ja schon von Anfang an mit Blütenendfäule zu kämpfen, daher sind die Erträge dort auch nicht besonders. Abgesehen von der Blütenendfäule haben sich die Pflanzen auf dem Balkon gut entwickelt. Mehr Wasser hätten sie gebraucht. Vielleicht auch bessere, auf jeden Fall mehr Erde. Die Kübel sind sehr gut durchwurzelt, d.h. im Prinzip ging es den Pflanzen gut.

Es haben also alle drei Tomatenstandorte (Hochbeet, Freiland und Balkon) ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile. Wirklich verlässlich wachsen Tomaten wohl nur mit Dach und gleichzeitig reichlich gute Erde und Wasser. In meinem Garten kann ich nirgends alles drei gleichzeitig bieten.

Die Hänge- Topf-Tomaten auf der Fensterbank hinter den Salat-Tomaten im Hochbeet haben als einzige einen richtig tollen Standort: Volle Sonne, kein Wasser von oben und die richtige Menge Erde in Relation zur Größe der Pflanzen. Ich komme allerdings weder für die Pflege noch für die Ernte gut an die Pflanzen, weil die Salat- und Cocktail-Tomaten aus dem Hochbeet den Zugang versperren.

Jetzt am Ende der Saison habe ich nur noch kurze Liste an Sorten, die ich im nächsten Jahr verwenden möchte. Aber nun überraschen gerade diejenigen Pflanzen, die ich im Juni und Juli nicht auf der Liste hatte:

  • Celsior: Während Cerise längst von der Krautfäule dahingerafft ist, produziert Celsior weiterhin fleißig kleine ovale Tomaten.
  • Tomatoberry: Auf dem Balkon fast vergessen, ist Tomatoberry in den letzten Wochen richtig in Schwung gekommen und hängt übervoll mit langen Rispen. Gerade so wie die teuer abgepackten Sorten im Supermarkt.
  • Subarctic plenty: Von wegen frühe Sorte mit kurzer Vegetationsperiode. Erst jetzt kommt sie ernsthaft in Schwung und hängt voll.

Ich ahne schon, dass es im nächsten Jahr wieder eine lange Liste mit anfangs 3 oder 4 und schließlich doch 10 Sorten werden wird.

Fiorentino und Tigerella gehören für meinen Garten aber auf jeden Fall auf NichtNochEinmal-Liste. Tumbling Tom werde ich vielleicht zum Verschenken / Verkaufen ziehen, aber selbst nicht mehr verwenden.

Bleiben dann also: Tomatoberry, Subarctic, Rio Grande, Celsior, Sportivo und all die anderen Sorten, die ich bis zum nächsten Frühjahr noch kennenlernen werde…


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