Hochbeet: Gartentraum und Wimmelbeet

Meine Gartenbegeisterung ist ungefähr zur gleichen Zeit entstanden, wie der aktuelle Trend vom Hochbeet. Der Garten lag noch recht brach und wartete auf Gestaltungsideen. Da kam das Hochbeet gerade recht. Dies ist nun etwa 5 Jahre her. Das Hochbeet und ich haben in dieser Zeit eine Reihe von geplanten, aber auch überraschenden Wandlungen erlebt.

Letztlich ist auch ein Hochbeet eben ein Beet und hat genauso mit Unkraut und Wildwuchs zu kämpfen wie der ebenerdige Salat. Einiges von dem, was dem Hochbeet an Wunderdingen zugeschrieben wird, habe ich im Alltag nicht wiedergefunden. Oder, um es etwas diplomatischer auszudrücken: Das Gärtnern in einem Hochbeet muss genauso Herausforderungen meistern wie das ebene Beet, auch wenn es vielleicht andere sind.

Doch zurück zu meiner Anfängerbegeisterung und den ersten Schritten…

1 Der Aufbau

Zur Verwirklichung des Gartentraumes vom Hochbeet bot sich ein ehemaliges Kräuterbeet an. Der konkrete Wunsch nach eigenem Salat und die vage Ahnung eines Heilkräutergartens trafen in dieser Ecke des Gartens aufeinander. Das Beet wurde seit einigen Jahren nicht mehr gepflegt und der Giersch begann bereits zu wuchern. Schon vor den ersten Arbeiten zum Hochbeet war mir klar, was ich dort gerne anpflanzen mochte. Doch erst musste es das Hochbeet ja überhaupt einmal geben. Mein Schwiegervater versorgte mich zum Glück mit einigen Tipps zum Aufbau, sonst wäre die ganze Konstruktion mittlerweile unter der eigenen Last zusammengebrochen. Von fertig kaufbaren Bausätzen für Hochbeete wusste ich zu dieser Zeit nichts – wahrscheinlich gab es sie längst und ich kannte sie nur nicht.

Größe und Form gab der mit Rasenkantensteinen eingefasste Bereich des Kräuterbeetes vor. Innerhalb dieser Fläche hob ich die Erde spatentief aus und verteilte sie auf alle Arten von Vorratsgefäßen, die ich finden konnte. Die Wände des Hochbeetes baute ich dann aus Holzdielen aus dem Baumarkt Die Rasenkantensteine und das nun vorhandene Loch, waren eine gute Hilfe bei der Montage der ersten Runde an Brettern. Nach einer zweiten Runde an Brettern und einer Höhe von etwa 50 Zentimetern bespannte ich die Innenseite des Hochbeetkastens mit Teichfolie. Die Dielen waren zwar auch von beiden Seiten mit Holzschutz eingestrichen, doch ich war mir nicht sicher, ob das gegen jahrelange intensive Nässe der Hochbeeterde ausreichte. Ein anderer kleiner Kasten, den ich nicht so sorgfältig baute, bricht gerade auseinander. Daher weiß ich zumindest heute, dass sich die Arbeit mit der Teichfolie gelohnt hat.

In Büchern für Gartenanfänger gibt es oft ein eigenes Kapitel über Werkzeuge. Bei der Vielfalt an Angeboten ist es gut, dem Neuling eine Handreichung für seinen Weg durch das Dickicht aus Rosengabeln, Spezialscheren und High-End-Rasentraktoren zu geben. Ein etwas untypisches „Werkzeug“, das für ein Hochbeet erforderlich ist, wird in diesen Listen oft vergessen: Gartenerde. In einem ebenen Garten ist die Erde einfach da und die Pflanzen wachsen mehr oder weniger gut darin. Beim Hochbeet ist Erde jedoch etwas, das ich hinzufügen muss. So wie ich Bohrmaschine und Schrauben als Werkzeuge brauche, um die Kiste des Hochbeetes zu fertigen, brauche ich Erde und andere Füllungen, um die Fläche des Hochbeetes zu heben. Das mag alles etwas konstruiert klingen, doch sobald die Kiste des Hochbeetes fertig ist, wird das Thema Erde sehr konkret. Je nach Form und Größe des Hochbeetes, muss die eine oder andere Tonne an Erde bewegt werden. Plötzlich stellt sich die Frage, wo dieses Material herkommen soll und wie es an Ort und Stelle gelangt. Es lohnt sich, gleich bei der Planung des Kastens für das Hochbeet, zu berechnen wie groß das Volumen und damit das Gewicht der zu bewegenden Erde sind. Danach ist zu überlegen, wo eine entsprechende Menge an Erde oder gleichwertiger Füllung herkommen kann. Ich war froh, dass ich von Nachbarn einige Säcke Häckselgut bekommen konnte. Zusammen mit dem eigenen halbreifem Kompost und der anfangs ausgeschachteten Erde, wurde das Hochbeet gerade so eben voll.

2 Erste Pflanzen

Bereits als es nur die Idee für das Hochbeet gab, lange vor den ersten Erdarbeiten, fing ich an, den Pflanzplan für das Hochbeet zu schreiben und zu zeichnen. Mit großer Begeisterung und einem Wirrwarr aus Selbstversorgerromantik und Kräuterheilkunde verteilte ich alle Pflanzen, die in meinem Garten vorkommen sollten, auf Hochbeet, die angrenzende Kräuterwiese und den Rest des Gartens. Mit jeder weiteren Erkenntnis gab es eine neue Version der Liste und immer wieder auch gezeichnete Pläne in DIN A3.

Es sollte aber nicht nur praktisch sein und eine große Ernte bringen, sondern auch ästhetisch. Also dachte ich mir geometrische Anordnungen oder blühende Begrenzungen aus Gänseblümchen aus. Ich vermutete immer, das „perennis“ in Bellis perennis stünde für „dauerhaft“. Zumindest die von mir verwendeten Bellis hielten sich nicht daran und waren nach einigen Monaten kommentarlos verschwunden. „Nun denn“, dachte ich mir, „dann sieht es halt nicht so schön aus, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber praktisch ist es trotzdem“. Der Rhabarber gedieh dagegen prächtig. So prächtig, dass er viel mehr Fläche einnahm, als mein Plan vorgesehen hatte. Es war vielleicht keine gute Idee, eine so großflächige Pflanze ins Hochbeet zu setzen. Aber was sind geeignete Hochbeet-Pflanzen? Bellis aus dem Gartenmarkt sind es nicht, weil sie verschwinden. Rhabarber ist es nicht, weil er zu viel der kostbaren Fläche verbraucht. Salat? OK, das könnte eine gute Wahl sein. Er wächst schnell, braucht relativ wenig Platz und die Ernte ist leichter, wenn ich nicht auf dem Boden herumkrabbeln muss.

In dieser Zeit – die ersten Pflanzen wuchsen erfolgreich, aber gleichzeitig stellten sich Fragen, mit denen ich zuvor nicht gerechnet hatte – las ich immer wieder den für Hochbeete typischen Satz „Die Rotte aus halbreifem Kompost und Gehölzschnitt erzeugt Wärme“. Hm, das stimmte im ersten Jahr des Hochbeetes. Und was dann? Sobald die Rotte abgeschlossen war, senkte sich die Oberfläche des Hochbeetes, die Pflanzen sackten ab und es gab keinen weiteren Wärmenachschub mehr. Wollte ich die Wärmeentwicklung und die damit verbundene frühe Aussaat auch im nächsten Jahr erneut nutzen, musste ich dafür sorgen, die untere Hälfte des Hochbeetes wieder mit halbreifem Kompost und Gehölzschnitt gefüllt ist. Aber wie sollte das gehen? Ich habe den Eindruck, dass der Effekt Zusatzwärme überbetont wird, während das ständige Absacken der Erde als normal angesehen wird. Was ist mit mehrjährigen Pflanzen wie etwa dem Schnittlauch? Was ist mit Spinat, der sich selbst versamt und im nächsten Jahr wiederkommt? All das geht nicht, wenn ich jeden Herbst das Hochbeet ausschachte, neues Rottematerial einfülle und die Erde wieder zurückschaufele, um beständig über Zusatzwärme zu verfügen. Wenn es aber nur um einen einmaligen Effekt der Rotte geht, sind Aufbau, Füllung und Bepflanzung ein zu großer Aufwand.

Mittlerweile gibt es eine reichhaltige Auswahl an Hochbeet-Ratgebern. Viele davon setzen gleich bei der Frage an, was ich denn tun muss, um ein Hochbeet zu bauen. Das übergeht die Frage „Was ganz genau ist der Grund, weshalb ich ein Hochbeet bauen möchte?“. Auf diese Frage gibt es sehr unterschiedliche Antworten. Manche sagen: „Ich will nicht mehr auf dem Boden herumkrabbeln“. Andere sind begeistert von jedweder Neuerung und wollen den Trend gerne im eigenen Garten ausprobieren. Von der eigenen Antwort hängt es ab, welches Hochbeet für den Garten geeignet ist und wie es bepflanzt wird. Ich entschied mich für ein Hochbeet, das ich nicht jeden Herbst komplett abräume, ausschaufele und neu befülle. Mein Hochbeet ist auch ohne diesen Zusatzwärmeeffekt eine tolle Sache und ich bin froh, wenn die Erde endlich mehr absackt. Dann kann ich in Ruhe arbeiten und sowohl Saisonsalat als auch ausdauernde Pflanzen ins Hochbeet setzen.

3 Noch mehr Hochbeet: 75 statt 50 Zentimeter Höhe

Am Ende des zweiten Sommers entschied ich mich dafür, dem Beet noch etwas mehr Höhe zu geben. Ein wirklich angenehmes Arbeiten hatte ich bei meinem aktuellen Hochbeet nur, wenn ich mich davor kniete. Dann konnte ich auch gleich auf dem Boden gärtnern. Manche Sachen muss man selbst erleben, um sie beurteilen zu können. Ich hatte nun mein Hochbeet zwei Sommer lang erlebt und entschieden, dass ich an meinem Konzept noch etwas nachbessere. Das ist Vor- und Nachteil eines selbstgestalteten Hochbeetes: Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass der Hersteller das schon alles richtig bedacht hat, aber wenn etwas fehlt, kann ich es auch selbst hinzufügen. Gesagt, getan. Ich kaufte die fehlenden Bretter samt Teichfolie und erhöhte das Beet um eine Runde. Inzwischen hatte sich wieder eine größere Menge halbreifer Kompost angesammelt. Die fehlende Erde kaufte ich in der örtlichen Kompostanlage dazu.

Das Gartenjahr war zu Ende und damit war es der falsche Zeitpunkt, das Hochbeet zu füllen. Die entstehende Wärme durch das Verrotten des halbreifen Kompostes würde keiner Pflanze zu gute kommen. Doch ich wollte die Arbeiten abschließen und für das nächste Gartenjahr startklar sein. Pflanzen setzte ich keine mehr ein, das fing ich im Frühjahr ganz neu an. Was zuvor an ausdauernden Pflanzen im Hochbeet war oder im Frühjahr hinein sollte, kam schon mal in provisorischen Töpfen hinein. Kurze Zeit später lag eine dicke Schicht Schnee über dem Beet und alles an Ideen und Plänen ruhte bis zum nächsten Frühjahr.

4 Erfolgreiche Ernte & Wimmelbeet

Beim zweiten Anlauf gelang die Bepflanzung besser als in der ersten Runde. Es gab zwar wieder etwas Dekoration – dieses Mal aus Lavendel – aber insgesamt war es nun eher ein Saison- und Salatbeet. Auch an das Absacken hatte ich mich inzwischen gewöhnt. Sobald eine Reihe Salat abgeerntet war, füllte ich etwas Erde nach, bevor ich neu säte oder pflanzte. Obwohl das Hochbeet nicht überdacht ist – es müsste also überall genauso viel regnen – war das rechte Viertel deutlich trockener als der Rest. Ich gesellte noch etwas Thymian zum Lavendel und gestaltete so eine mediterrane Ecke. Später kam noch ein Rosmarin dazu, der zwei Winter gut überstand. Der dritte war dann leider zu kalt. Es war ein Experiment, wie so vieles andere im Hochbeet auch. In meinem Bauerngarten pflanzte ich auch einen Rosmarin, aber der erfror noch schneller als der im Hochbeet. Wenn ich wieder einen Rosmarin kaufe, werde ich ihn in einen Kübel setzen und zusammen mit dem Ananas-Salbei in die helle Garage ins Winterquartier bringen.

Im zweiten Sommer nach der Erhöhung wucherte es so arg, dass ich für kurze Zeit den Überblick verlor. Ich hatte einen Versuch mit Wirsing gewagt und gleichzeitig Gänsefingerkraut angesiedelt. Als dann in meinem Brotberuf so viel zu tun war, dass ich zwei Wochen nicht dazu kam, in den Garten zu gehen, wurde aus dem Hoch- ein Wimmelbeet. Pasta und Pizza haben daher einmal Pause und es gab jeden Tag eine Schüsselvoll Salat! Trotz Wimmelbeet zeigte sich nun einer der Vorteile des Hochbeetes. Die beiden ebenerdigen Gemüsebeete wurden in den wenigen Wochen ohne beständige Pflege vom Giersch überrannt. Im Hochbeet wucherte das Gänsefingerkraut zwar auch kräftig durch alle Lücken, aber ist leichter des Platzes zu verweisen und dann hat sich ganz schnell wieder ausgewuchert. Das Gänsefingerkraut wurde durch Pimpinelle ersetzt, der aufgegessene Salat machte Platz für späte Mangold-Setzlinge. Und weiter ging es mit der nächsten Runde aus säen, experimentieren und aufessen!

Und – lohnt sich‘s?

Nach 5 Jahren Erlebnissen mit einem Hochbeet und diversen Anfangsschwierigkeiten möchte ich mein Hochbeet nicht mehr missen. Es ist in meinem Garten eine der wenigen Möglichkeiten, ein Beet frei von Giersch zu halten, und ich mag das Arbeiten in angenehmer Höhe.

Für mich ist nach wie vor die Höhe der Hauptunterschied zwischen dem Hochbeet und einem normalen Beet. Es bleibt ein Beet und hat genauso mit Unkräutern wie Vogelmiere und Löwenzahn sowie mit Wildwuchs zu kämpfen wie jedes ebenerdige Beet auch. Vor dem Blättern der Gartenkataloge ist es daher wichtig zu überlegen: „Weshalb will ich ein Hochbeet?“. Es reicht nicht zu wissen, weshalb ein Gartenbuch-Autor das Hochbeet toll findet oder, dass der Nachbar eines hat. Weshalb will ICH ein Hochbeet? Wenn diese Frage geklärt ist, kann es mit den praktischen Fragen beginnen. Für mich sind dies:

Wie groß ist das Volumen des Kastens und wo bekomme ich die entsprechende Menge Erde her?

Welche Art von Hochbeet soll es werden: Mit Frühbeet-Aufsatz? Soll jedes Jahr neues Rottematerial eingefüllt werden? Soll es „nur“ hoch sein, damit das Arbeiten leichter ist?

Welche Pflanzen passen zu meinem Konzept vom Hochbeet?

Verwende ich diese Pflanzen wirklich in meinem Alltag?

 


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