Vom Gärtnern: Gedanken über Gartenwerkzeuge

Wir hatten das Glück, ein Haus mit eingewachsenem Garten und gefülltem Gartenkeller zu kaufen. Die allermeisten Werkzeuge waren schon da, bevor ich mit der Gartenarbeit anfing. Manches davon habe ich sofort zu schätzen gewusst, manches hat sich nach und nach als Schatz herausgestellt, aber ebensosehr haben Dinge gefehlt oder waren überflüssig.

Besonders bei den Dingen, die schon vorhanden waren, aber jetzt ungenutzt herumstehen, frage ich mich, für was sie wohl gedacht sind. Wofür haben die Vorbesitzer diese Dinge benutzt? Sie hatten doch den gleichen Garten wie ich. Habe ich eine wichtige Arbeit übersehen, für die man dieses Werkzeug braucht? So beschäftige ich mich immer wieder einmal mit meinen Gartenwerkzeugen und merke, es ist Zeit die Gedanken zu Papier zu bringen. Vielleicht hilft die Liste ja anderen Gärtnern und Gärtnerinnen weiter. Mancher mag ebenfalls vor einer Auswahl an geerbten Geräten stehen. Manch andere fragt sich bei den wöchentlichen Gartenmarktangeboten, ob sie nicht doch weiteres Spezialwerkzeug braucht.

Gleichzeitig zögere ich ganz bewusst eine Überschrift à la „Die 13 Gartenwerkzeuge, die Du wirklich brauchst“ zu verwenden. Die Antwort richtet sich hauptsächlich danach, was man in seinem Garten macht. Es gibt keine Werkzeuge, die jeder haben muss. (Ich stelle mir gerade einen Rasenmäher im japanischen Kiesgarten vor…) Für mich haben sich folgende Basics als wirklich wichtig herausgestellt:

 

Kleine Handwerkzeuge

Scheren

Es gibt eine endlose Vielzahl an Scheren. Wenn man Scheren mag, kann man für jede Pflanze und jede Arbeit eine eigene Schere verwenden. Ich hatte zu Anfang keine Ahnung, welche die richtige ist und habe eine Allzweckschere beim Discounter gekauft. Die hat das ganze Jahr gut gearbeitet und dann war sie „verbraucht“. Das habe ich ein paar Jahre wiederholt. Jedes Jahr eine neue Schere für 2 Euro. Mittlerweile habe ich eine stabilere Schere und bin zufrieden damit. Ich schneide alles, was dünner als 1 Zentimeter ist, mit nur einer Schere.

Hand-Grabegabel

Die Hand-Grabegabel hilft dabei „so ein bisschen im Boden zu scharren“. Dafür reicht eine einfache Qualität. Ich hatte Lust mir etwas Schönes zu kaufen und habe eine Hand-Grabegabel von Manufactum. Egal, welche Qualität, ich benutze sie sehr oft.

Hand-Spaten

Wenn ich zwischen den Stauden sitze und etwas ein- oder ausbuddeln möchte, ist mir der normale Spaten oft zu groß und unhandlich. Mit einer Hand-Schaufel lässt sich aber kaum Kraft ausüben. Es ist eben eine Schaufel. Mir fehlte das Mittelding zwischen diesen beiden Produkten. Es gibt kleine Stauden-Spaten, aber die laufen spitz zu. Ich wollte einen richtigen Spaten – nur in klein. Nach viel Sucherei habe ich ihn bei Krumpholz bekommen und bin sehr zufrieden damit.

Unkraut-Stecher

Für mich in den Gemüsebeeten ein Muss. Giersch und Löwenzahn lassen sich gut damit entfernen, ohne die Gemüsepflanzen mit auszugraben.

Astsäge

Die Astsäge und die große Astschere ergänzen sich gegenseitig. Oft nutze ich beides an einem Baum oder Strauch. So haben zum Beispiel Eiben ein sehr zähes Holz. Scheren kommen da schnell an ihre Grenzen. Oft ist es auch eine Frage der Erreichbarkeit von Ästen oder der Bewegungsfreiheit.

 

Große Handwerkzeuge

Spaten & Grabegabel

Diese beiden Geräte müssen viel aushalten. Da geht es auch schon einmal darum richtig Kraft anwenden zu können, wenn der Boden hart oder die Wurzeln störrisch sind. Es lohnt sich daher bei diesen Gerätschaften gute Werkzeuge zu kaufen. Als „gut“ hat sich für mich herausgestellt: Geschmiedeter Edelstahl statt gewalztes Blech. Spatenblatt bzw. Gabelzinken und die Hülse, die den Stiel aufnimmt aus einem Stück. Zähes und langlebiges Holz für den Stiel.

Zum Haus gehört ein Ideal-Spaten. Mir war anfangs nicht klar, dass dies eine gute und alte Marke ist. Nachdem ich das weiß, halte ich den Spaten in besonderen Ehren.

An Grabegabeln habe ich bereits die zweite verbogen. Ich habe mich danach für ein Model von Sneeboer entschieden. Ich habe lange in Katalogen und im Internet gesucht und bin dann schließlich zum Ergebnis gekommen, dass ich die Gabel sehen muss, um zu entscheiden, ob es für mich die richtige ist. Die von Sneeboer war dann die erste, die ich mir bei einem Gartenfest in echt ansehen konnte. Sie gefiel und wurde sofort gekauft. (Aufgrund des stolzen Preises war mit diesem Kauf dann auch der Besuch des Gartenfestes sehr schnell beendet)

 

Astschere

Wie schon bei den kleinen Scheren, habe ich nur eine einzige große Schere. Groß, stabil, scharf. Kein Schnickschnack.

Werkzeuge mit Rädern

Sack- oder Pflanzen-Karre / Schubkarre

Bei allen Werkzeugen mit Rädern, die ich nutze, geht es darum schwere Lasten zu bewegen. Eigentlich ist das logisch. Für einen einzelnen Sack Blumenerde lohnt es nicht die Schubkarre aus dem Schuppen zu holen. Die wichtigsten Eigenschaften dieser Werkzeuge sind daher Stabilität und gute Räder. Ich habe beim ersten Kauf zu sehr auf den Preis geachtet. Die Freude über die rollende Unterstützung währte nur kurz. Beim nächsten Kauf werde ich besser darauf achten, wie die rollenden Helfer in beladenem Zustand aussehen.

 

Werkzeuge mit Motor

Das ist immer wieder ein spannendes Thema. Denn Motor gleich Lärm. Aber, Garten gleich Idylle und Ruhe. Wie passt das zusammen? Es passt eben nicht zusammen und doch ist eines der typischen Geräusche auf dem Land der Rasenmäher. In der Stadt gibt es andere prägende Geräusche. Das Martinshorn von Polizei und Feuerwehr ist für mich ein typisches Stadtgeräusch. Auch den Laubbläser höre ich dort häufiger als in der Provinz.

Schon bei einem mittleren Garten von 500 Quadratmetern ist gelegentlich eine motorisierte Unterstützung eine große Hilfe. Unser Grundstück hat auf allen vier Seiten eine Hecke. Hainbuche und Eibe. Außerdem gibt es zwischen den Beeten eine große Wiese. Ohne motorisierte Heckenschere und Rasenmäher wird das einfach nichts.

Es ist vielleicht gar nicht so sehr die Frage nach dem „Motor: Ja oder Nein?“, sondern die Art der Nutzung. Muss der Rasen wirklich jedes Wochenende gemäht werden? Ist das Herbstlaub mein Feind, den ich mit lärmender Luft vor mir hertreiben muss?

Heckenschere / Rasenmäher

Beides gehörte zum Haus. Beides sind Markengeräte, die gut funktionieren und die ich nicht mehr missen möchte.

Eine Kettensäge nutze ich hauptsächlich für das Kaminholz. Sie ist in meinem Fall kein Gartengerät. Ein Laubbläser ist bisher kein Thema. Ich reche das Laub im Herbst etwa zwei Mal von Hand. Was danach noch übrig ist, bleibt bis zum nächsten Rasenmähen liegen.

 

Untypische Werkzeuge

Erde

Die mir bekannten Listen von Gartenwerkzeugen lassen die eher untypischen Werkzeuge in der Regel aus. Das erste der untypischen Werkzeuge ist die Gartenerde. In einem ebenen Garten ist die Erde einfach da und die Pflanzen wachsen mehr oder weniger gut darin. Sobald ich etwas im Garten verändern möchte, ist die Erde aber plötzlich ein sehr konkretes Thema. Ob ich die Erde dann Werkzeug oder Verbrauchsmaterial nenne, ist eine Frage der Definition. Wenn ich allerdings aufzähle, was alles nötig ist, um eine Wiese in ein Beet oder gar Hochbeet zu verwandeln, reichen Schubkarre und Spaten nicht aus. Zumindest die Erde gehört ebenfalls zu den Zutaten, die nötig sind, wenn ich den Garten verändern möchte.

Bereits ein kleines Hochbeet von 80 mal 200 Zentimetern verschlingt 1280 Liter Erde (bei einer Höhe von 80 Zentimetern). Je nach Form und Größe des Hochbeetes, muss die eine oder andere Tonne an Erde bewegt werden. Ähnlich ist es bei der Anlage von neuen Beeten, wenn auf einer größeren Fläche die Grasnarbe/Wildkräuter entfernt werden und danach Mutterboden neu aufgefüllt werden sollen. Dabei stellt sich die Frage, wo dieses Material herkommen soll und wie es an Ort und Stelle gelangt. In beiden Fällen wird die Erde nicht nur zu einem Gewichts- und Kostenfaktor, sondern auch wesentlichen Mittel, das für den Erfolg des Planes nötig ist. Daher zähle ich die Erde mittlerweile zu den Werkzeugen.

Wasser / Regentonnen

Ein ähnliches Thema ist das Wasser. Der Sommer 2018 hat deutlich gemacht, wie wichtig ein Vorrat an Regenwasser ist. Ich habe in den letzten Jahren Stück für Stück Regentonnen gekauft und miteinander verbunden. Ja, es funktioniert und doch ist es eine Art Bastelarbeit, die im Laufe der Jahre entstanden ist.

„Mach’s gleich richtig!“. Den Satz kenne ich als Aufkleber am Kaffeeautomaten der Kantine. Das passt zu meinen Wassertonnen, aber auch zu anderen größeren Veränderungen im Garten. Es nutzt nichts ein paar Euro zu sparen, aber dafür jedes Jahr wieder zu reparieren. Es muss keine Zisterne mit 25.000 Litern zum Preis eines Kleinwagens sein. Aber wenn es für mehr als zwei oder drei Gießkannen reichen soll, dann lohnt es sich gut zu überlegen, wie das Wasser in die Tonnen hinein und wieder heraus kommt. (Auch im Winter, wenn die Tonnen geleert werden müssen.) Und dann in einem Rutsch alles aufbauen. Anstatt jedes Jahr zu ergänzen.

Ich aber werde im Frühjahr dann wieder einmal die von UV-Strahlung und Frost mürbe gewordenen Plastikhähne austauschen…

 

Selbstverständlichkeiten

Als ich die ersten Notizen zu dieser Liste machte, dachte vor allem an die Odyssee bei der Suche nach einem Handspaten. Ich bin selbst überrascht, wie ausführlich die Liste mittlerweile geworden ist. Vielleicht muss ich selbst das Gartenhaus mit auflisten, wo all die Werkzeuge verstaut werden können? Das wäre dann wohl doch übertrieben. Zumal es um die wesentlichen Werkzeuge gehen soll und nicht um ein vollständiges Register. Aber zwei Dinge, die in keine der genannten Kategorien passen, sind mir wichtig.

Gartenhandschuhe

Auf den ersten Blick schützen die Handschuhe vor Kratzspuren von Brombeerranken und schwarzen Fingernägeln (ist manchmal am nächsten Tag im Büro etwas störend). Mindestens ebenso wichtig ist der Schutz vor giftigen Pflanzen. Selbst wenn ich eigentlich nur den Rasen mähen will. Wie schnell entdecke ich dann doch noch eine Efeuranke, die entfernt werden muss, schneide kurz die Eibenhecke nach oder verteile die Samen des verblühten Fingerhutes. Alles richtig giftige Pflanzen. „Der Mörder ist immer der Gärtner“, singt Reinhard Mey. Hoffentlich wird er nicht aus Versehen zum Selbstmörder.

Hose mit Kniepolster

Ich kenne Kniepolster von der Renovierung unseres Haus. Damals hatte ich separate Knieschützer mit Klettverschluss. Irgendwann habe ich dann Arbeitshosen inklusive Kniepolster entdeckt. Es eine solche Erleichterung für die Knie. Auch ruiniere ich mir keine Jeans mehr im Garten.

 


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