Vorgarten

Also, das wäre dann mal so, dass ich bei einem Garten-Seminar war und das, was dort zum Vorgarten gesagt wurde hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Deshalb wollte ich nun einen Artikel über den Vorgarten schreiben. Aber als ich angefangen habe zu schreiben, ist mir klar geworden, dass ich die Hälfte von dem, was im Seminar erzählt wurde längst schon selbst umgesetzt hatte ohne zu wissen, dass ich damit eine tolle Erkenntnis habe oder sonst irgendetwas Besonderes tue. Und je mehr ich versucht habe die Gedanken zum Seminar und den tatsächlichen Ablauf überein zu bekommen, desto verquerer wurde der ganze Text. Und dann bin ich mit dem Hund unterwegs gewesen und habe mir gedacht, dass ich das einfach so schreibe, wie es war und dass das schlaue Garten-Seminar gar nicht der Auslöser war, dass es mir aber trotzdem dabei geholfen hat einen neuen Blick für den Vorgarten zu bekommen. Das, was ich selbst schon alles umgesetzt hatte, ist mir erst durch das Schreiben des Artikels bewusst geworden. Also, das war nämlich so…

Bevor wir in unser Haus eingezogen sind, haben wir viel Zeit mit Renovieren verbracht. Als wir dann eingezogen waren, habe ich meine Begeisterung für den Garten entdeckt und diesen Stück für Stück neu gestaltet. Dabei habe ich mit„Garten“ immer die Fläche hinter dem Haus gemeint. Auch ein bisschen rechts und links davon, aber fast nie die wenigen Schritte von der Straße zur Haustür. Irgendwann war dann das Geländer an der Treppe so überwuchert, dass wir uns gefragt haben, weshalb dort eigentlich eine depressive Thuja steht und warum der die Treppenbeleuchtung mit Bewegungsmelder ständig leuchtet. Ich habe es mit einem kräftigen Rückschnitt versucht, aber bei einer Thuja hilft nur ein Rückschnitt, der überhauptgarnichts von der Thuja übrig lässt. Im Jahr darauf verschwand daher erst die eine und später dann auch die zweite Thuja und das einzige, was sich dazu sagen lässt, ist dass diese Dinger kein bisschen fehlen. Ansonsten haben sie enorm starke Wurzeln und wenn sie sich damit einen Platz erobert haben, verlassen sie diesen nur sehr ungern wieder.

Ohne die beiden Thujas (Thujen?) wirkte alles schon viel offener und freundlicher. Der dritte Baum des Vorgartens, eine Eibe, darf bleiben und sie ist mittlerweile, ohne dass wir es je beschlossen hätten, so etwas wie unser Hausbaum geworden. Eiben sind zwar dafür bekannt, langsam zu wachsen, in den letzten Jahren hat sie aber dennoch kräftig zugelegt und überragt inzwischen deutlich die Dachrinne. Sie ist also längst nicht mehr der nette freundliche Busch vor der Haustür, den sich die Vorbesitzer des Hauses mal gedacht haben.

Nachdem die Thujas weg waren, kam so langsam das Garten-Seminar ins Spiel. Ein Seminar bei der Königlichen Gartenakademie in Berlin. Also wenn die keine Ahnung haben wer dann? Trotz des noblen Namens und Ortes ist das Seminar erfrischend locker und wirklich hilfreich und gar nicht nur für Inhaber von Landgütern mit einer ganzen Horde von Gärtnern und Gehilfen.

Als erstes habe ich dort den Begriff „Gartenräume“ kennengelernt und verstanden, dass sich der Bereich außerhalb des Hauses genauso in Zimmer oder Räume einteilen lässt, wie innerhalb des Hauses. Zurück zu Hause habe ich mir den eigenen Garten mit neuen Augen angesehen und festgestellt, dass es schon eine Reihe solcher Räume gibt. Teils hatte ich die vom Vorbesitzer angelegte Strukturen zu neuem Leben erweckt und teilweise habe ich eigene Räume geschaffen, allerdings ohne zu wissen, dass das Staudenbeet ein Garten-“Raum“ ist. Inzwischen gibt es den Bauerngarten, die Obstrabatte, den Apfel- und Gemüsegarten, das Hochbeet mit Wildkräuterwiese und schließlich die große Wiese mit Picknick-Bank. Dadurch dass hinter dem Haus so viel Wiese und Beete und Blumen sind, hatte ich mir wenig Gedanken um den Weg von der Straße bis zur Haustür gemacht. Doch nun, frisch vom Garten-Seminar, laufe ich hier entlang und habe den Satz noch im Ohr: „Machen Sie sich intensive Gedanken über den Vorgarten. Dort müssen Sie jeden Tag durch, daher lohnt sich der Einsatz.“

Nun fügten sich plötzlich die eigenen Ideen mit dem neu gelernten zu einem stimmigen Bild zusammen:

  • Die beiden Thujas, die von Jahr zu Jahr größer und hässlicher wurden und zudem einfach nur im Weg standen, waren schon weg.
  • Der Vorgarten ist nun ein eigener Garten-Raum, der eine Berechtigung hat und eine eigene Struktur bekommen soll.

Der ganze Eingangsbereich gewinnt allein schon durch die fehlenden Thujen. Als erstes setze ich zwei Hortensien an den Platz einer Thuja. Leider habe ich mir die Sorten-Namen nicht notiert und nachdem ich nun den halben Vormittag Hortensien-Seiten im Internet durchstöbert habe und auch nicht schlauer geworden bin, gebe ich es auf die genaue Bezeichnung zu finden. Auf jeden Fall ist es eine Sorte, die am einjährigen Holz blüht und die ich daher immer wieder kräftig zurückschneiden kann ohne auf die Blüte des laufenden Jahres zu verzichten. Später finde ich den gesuchten Namen ganz mühelos und offline in meinem Jahreszeiten Gartenbuch von kraut&rüben. Es sind Wald- oder Schneeball-Hortensien, Hydrangea arborescens.

Die bisher eher leblose braune Fläche rund um die Thujen ist auf einer Seite durch aufrecht eingegrabene Steinplatten und auf der anderen Seite durch eine Art wucherndes Gras begrenzt. Ich verlege die Steinkante etwas nach hinten und betoniere eine neue Reihe von Steinplatten.

Nun setze ich noch ein paar Funkien an diese Stelle. Genauer gesagt NoName-Funkien der Sorte Hosta-Baumarkt. Sie sind kräftig und nicht so elend teuer, wie die genau benannten. Im örtlichen REWE-Supermarkt stolpere ich noch über schöne Lobelien. Die sollten eigentlich an eine andere Stelle, aber da die Platten des Weges ungleichmäßig lang sind, gibt es eine neue Lücke, die sich mit den Lobelien wunderbar füllen lässt. Schließlich setze ich auch das ausgegrabene Gras wieder neu ein.

Als letzte Maßnahme stelle ich noch eine Reihe schöner und blühender Töpfe auf die Treppe. Der Vorgarten hat nun eine ganz andere Anmutung. Viel offener und freundlicher.Um es mit Feng Shui zu sagen: Nun kann die Energie besser fließen.


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