Sommer im Garten

Bunt

„Sommer im Garten“ das klingt nach Hängematte, Beerenpflücken und Kindheitserinnerungen. Es scheint immer die Sonne, das ist ja wohl selbstverständlich im Sommer. Aber was ist „Sommer“ aus Sicht des Gärtners? Es fällt mir schwer, etwas über den Sommer im Garten zu schreiben ohne sofort eine lange Liste zu beginnen, was ich an welchem Tag getan habe. So sinnvoll und hilfreich Listen à la „Gartenarbeiten im Juni“ auch sind, was ist es das aus diesen vielen Einzelbausteinen entsteht?

„Frühling“, das ist die Zeit, in der sich im Garten alles überstürzt. Im den ersten Vorfrühlingswochen gelingt es noch alles aufzuschreiben und ich beginne ordentlich sortierte Listen mit Aussaattagen, aber wenn ich sie später wieder in die Hand nehme, stelle ich verwundert fest, dass die Listen irgendwann zwischen der Auswahl der Tomatensorten und dem ersten Saatband mit Pflücksalat abrupt enden. Irgendwo steht dann noch an den Rand gekritzelt „An Dahlien denken!“, aber bis die Liste wieder auftaucht, sind die Eisheiligen lange vorbei und die Dahlien auch in diesem Jahr viel zu spät gesetzt.

Ist der Beginn des Sommers, dann vielleicht etwa der Moment, an dem ich nach diesem Frühlingsrausch aus Arbeit und Begeisterung zum ersten mal wieder zurückschaue und feststelle, was so alles geworden ist in den letzten Wochen und Monaten? Dieser Zeitpunkt hat zwar wenig mit einem kalendarischen Sommer zu tun, aber vielleicht ist es ja an der Zeit neben meteorologischen und phänologischen Jahreszeiten auch gärtnerische Jahreszeiten einzuführen? Was für mich auf jeden Fall zum Sommer gehört sind die Mauersegler. Wenn die Mauersegler da sind, dann kann es Sommer werden! Kalendarisch ist dann zwar gerade mal Frühling, aber für mich sind die Mauersegler der erste Gruß des Sommers. Wenn die Mauersegler der Anfang des Sommers sind, dann ist die Holunderernte das Ende. So einfach kann es also sein: Sommer das ist die Zeit von Mauersegler bis Holunder.

Die Frage „Was macht den Sommer im Garten aus?“, ist auch immer die Frage, was macht für MICH den Sommer aus. So sehr dies ein Gartenblog ist, der auch für andere Gärtner sinnvoll sein soll, so sehr kann ich nur aus meiner eigenen Perspektive schreiben. Die Tomaten sind mein Sommergemüse. In anderen Gärten gibt es vielerlei andere Gemüse, über die es sicher ebenfalls berichtenswertes zu schreiben gibt. So lange ich bei meinen Themen bleibe, sprich Tomaten, Zinnien, Spitzwegerich und Schwarzen Johannisbeeren, hat mein Text Hand und Fuß. Wenn ich anfange über Kürbisse, die ich gar nicht anbaue, zu schreiben oder die Zuckerschoten mit Brechbohnen verwechsle, wird das eher eine Comedy als ein Gartenblog. So erlebt jeder Garten und jeder Gärtner seinen ganz eigenen Sommer und doch ist alles auf magische Weise miteinander verbunden.

 

Sommerernte

Salat

Wenn es erst einmal richtig Frühling ist, beginnen sich oft die Dinge zu überstürzen. Die vorgezogenen Pflanzen müssen umgetopft oder ausgepflanzt werden. Der Rasen sprießt wie wild oder ist noch vom letzten Herbst so lang, dass er dringend nach einem Rückschnitt verlangt. Ganz egal, an welcher Stelle ich in den Garten schaue, überall lauern Arbeiten, die getan werden wollen. Ich bin oft so im Rhythmus aus Säen, Vorziehen und Umtopfen, dass ich den Moment verpasse, an dem bereits mit der ersten Ernte beginnen kann.

Anfang Mai kommen die Mauersegler aus dem Süden zurück. Jetzt kommen nicht nur die Tomaten ins Freiland, auch der erste Salat ist bereit für die Salat-Schüssel. Es ist nicht nur Zeit zum Pflanzen und Pflegen ist, sondern auch schon Zeit zum Ernten! Ich pflücke also einmal durch den Garten und sammle Löwenzahn, Rucula, Spitzwegerich, Kapuzinerkresse, Giersch und Sauerampfer. Je nach dem, was ich wann gesät habe oder wie mild der Winter war gibt es auch schon frischen Pflücksalat, Stielmus und Spinat.

Beerenzeit: Erdbeere & Johannisbeere

Im Juni wandelt sich das Gartenjahr endgültig vom Säen zum Ernten. Ich merke immer wieder wie sehr ich Ernte mit Stichworten wie „Herbst“ oder „Erntedank“ verbinde und dabei fast übersehe, was es im Sommer alles zu ernten gibt. Nach dem Salat, der zur Hälfte wild wächst, wie Löwenzahn, Spitzwegerich und Giersch,beginnt die Beerenzeit. Für mich sind das Erdbeeren und Schwarze Johannisbeeren. Meine Erdbeeren kommen vom örtlichen Erdbeer-Bauern. Es lässt sich einfach nicht alles im eigenen Garten in ausreichender Menge anbauen. Zumindest für mich nicht. Aber in 5 Kilometer Entfernung gibt es einen Erdbeer-Bauern und dort bringe ich meine Erdbeer-Ernte ein. Immer so viel, dass ich sie am gleichen Tag zu Marmelade weiterverarbeiten kann.

Die Johannisbeeren habe ich dagegen im eigenen Garten. Johannisbeeren sind für mich ein Obst der Kindheit. Bei dem Thema „Garten & Kindheit“ kann ich mich an drei Dinge erinnern: Klettern im Kirschbaum, Essen von Aprikosen frisch vom Baum und Pflücken von Johannisbeeren. Das Pflücken der Beeren (rote und weiße) hat mir Spaß gemacht, aber die Marmelade, die es dann einige Tage später zu essen gab überzeugt mich bis heute nicht. Mit vielerlei Umwegen (z.B. über einen Schüleraustausch in Frankreich) habe ich dann Cassis, also schwarze Johannisbeeren, kennengelernt und festgestellt, dass diese sich mit den langweiligen roten oder gar weißen ja so gar nicht vergleichen lassen. Leider gibt es die schwarzen so gut wie gar nicht als Früchte zu kaufen und der Gelee ist auch mehr oder weniger unerschwinglich. Die Schwarzen Johannisbeeren haben daher einen Stammplatz in meinem Garten. Bei der Auswahl der Sorten habe ich zu wenig auf den Erntezeitpunkt geachtet. Es ist einfach unpraktisch, wenn ich als Hobby-Gärtner zu zwei Zeitpunkten Johannisbeeren ernten muss.Ein wenig muss ich Ernte mit den Amseln teilen, aber es bleibt genug für mich übrig.

Gemüse

Ich bin immer wieder erstaunt, wie voll die Gemüsebeete plötzlich sind. Im Frühjahr ist alles kahl und leer und ich muss sehr an mich halten, um nicht da oder dort doch noch ein Pflänzchen mehr zu setzen oder vielleicht doch noch einmal etwas auszusäen. Mittlerweile wird deutlich, dass 4 Zucchini-Pflanzen nicht nur das gesamte Beet belegen, sondern auch eine große Familie versorgen können. Ich kann zwar nicht jeden Tag ernten, aber selbst die Ernte, die ich habe ist reichlich genug. Zwei wichtige Gärtnerfragen lauten also „Wie viel kann und will ich essen?“ und „Was wird wann reif?“.

Zurzeit könnte ich zwei Mal die Woche Zucchini kochen. Aber so eine Zucchini kann – spätestens im wiederholten Wiederholungsfall – ganz schön langweilig schmecken. Ich lerne also, dass ich als Gärtner mit dem Fernziel der Selbstversorgung entweder eine große Kühltruhe brauche, die selbstverständlich mit eigenem Solarstrom betrieben wird, oder deutlich mehr Phantasie und Zeit in die Planung stecken muss oder – so haben es wohl die Selbstversorger des letzten Jahrhunderts gemacht – einfach das esse, was gerade wächst, ganz egal wie langweilig dies auch ist.

Tomaten

Die Tomaten sind für mich die letzten im Reigen der Sommerernte. Die Begeisterung und die Sorge um die Tomaten deckt ziemlich die gleiche Zeit ab, wie meine Sommerdefinition: Ankunft der Mauersegler bis Holunder-Ernte. Ich versuche Jahr für Jahr die Tomaten etwas früher ins Freiland zu bekommen. Ich habe kein Gewächshaus und die Tomaten müssen mobil bleiben, bis es verlässlich warm ist. Nach ein paar Jahren Übung haben Aussaat, Aufzucht und Pflege der Tomaten eine gewisse Routine erreicht. Kein Gartenjahr gleicht dem anderen, aber der Gärtner bekommt mit allen Wiederholungen aus Werden und Vergehen ein Gefühl für seine Pflanzen.

Meist wird es Anfang August, bis es Zeit für die ersten Sommer-Picknicks im Zeichen der Tomate ist. Dazu noch angebratene Zucchini-Scheiben, ofenwarmes Ciabatta, Mozarella und dunklen Rotwein. Es darf einfach sein!

 

Julidürre & Augusthochwasser

Ein sonniger Mittag im Garten. Über das Kopfsteinpflaster der Straße rumpeln die Autos wie zu fast jeder Tageszeit. In der Natur um mich herum ist es dagegen deutlich leiser als am frühen Morgen. Auch die Natur macht Siesta. Neben mir schläft eine kleine graugetigerte Katze namens Smilla. Im Garten lässt sich vor lauter Hitze nichts tun und ich bin froh um jede Pflanze, die fest und tief genug wurzelt, um selbst noch Wasser zu finden, damit ich nur die Tomaten und einige Kübelpflanzen gießen muss.

Einzelne Vögel fliegen aber doch durch den Garten. Erst beim wiederholten Flug wird mir klar, dass es Mauersegler sind, die ihre Jagdbeute am Nesteingang unter den Dachziegeln abgeben. Anfangs habe ich mich gesorgt, wenn es noch einmal richtig kalt wurde oder tagelang regnete. Mittlerweile weiß ich, dass die Mauersegler dem schlechtem Wetter einfach davonfliegen. Sie fliegen dann gerade mal so eben 50 oder 100 Kilometer weiter und suchen sich für ein paar Tage einen Platz ohne Regen. Wenn das Wetter wieder besser ist, kehren sie zurück. Für jemanden, der fast sein ganzes Leben in der Luft verbringen, ist es offensichtlich ein Leichtes einer Kaltfront davon zu fliegen. „Mauersegler“ ist für mich zu einem Synonym für den Sommer geworden. Die Flugkünstler, die allabendlich mit ihrem Sriih – Sriih um die Hausecken fegen!

Ich selbst habe mich in den Schatten zurückgezogen und überlege, was ich anfangen mag mit einem Hitze-Tag. Mir wird klar, dass diese Tage das Gegenstück zum klirrend kalten Märzwinter sind. Der Garten liegt wirkt ebenso leblos wie bei strengem Frost und früher Dunkelheit. Wenn dies also die „Sommerstarre“ ist, dann helfen vielleicht die gleichen Tipps wie bei der Winterstarre: Geduld und Zuversicht. Geduldig abwarten bis man wieder aktiv werden kann. Zuversichtlich sein, dass die Pflanzen die Hitze gleichermaßen wie die Kälte überstehen.

Im letzten Jahr plagte mich zur gleichen Zeit ein Regentag nach dem anderen. Wobei ich mit Dauerregen und Sorge um die Freilandtomaten noch gut weg gekommen bin. In anderen Regionen wurden ganze Dörfer von Schlammlawinen verwüstet.

 

Sonne – Leben – Leichtigkeit: Sommer ist Farbe!

Der Sommer ist die Ruhe nach dem hektischen Frühjahr aus Saat, Sorge und Umgraben. Ganz gleich ob es ein Jahr mit flirrender Hitze oder Dauerregen ist. Nach intensiven Tagen im Büro, bin heute zum ersten Mal wieder im Garten. Erst einmal einen Tee kochen. Durch den Garten laufen. Die Katzen begrüßen. Eine Tomate anbinden. Die Wegwarten gießen. Ankommen. Büro? Ich? Wann soll das gewesen sein? Sommer ist Entschleunigung.

Der nächste Morgen beginnt mit Ananasmarmelade. Meine Studienkollegen haben sich immer lustig gemacht, wenn ich erzählt habe, dass für mich die richtige Sorte Frühstücksmarmelade von der Stimmung des Tages abhängt. Einem mürrischen Novembertag kann ich mit so was Leichtem wie Pfirsich nichts entgegenhalten. Da muss schon mal Schwarze Johannisbeere oder Brombeere ran. Heute ist es genau andersherum. An so einem luftigen Sommertag kann es nicht hell und leicht genug sein: Also Ananas! Oder Erdbeer-Pfefferminz, das geht auch. Sommer ist ananasleicht.

Neben dem Frühstückstisch auf der Terrasse blühen Lavendel und Johanniskraut (Hypericum perforatum) um die Wette. Die Wegwarte hat sich zwischen den Blättern des Hibiskus versteckt. Mein Hibiskus blüht immer recht spät, da ist eine gute Idee der Wegwarte schon einmal ein paar Blüten in die Hibiskuszweige zu zaubern. Sommer ist johanniskrautleuchtend.

Mein Juni war in diesem Jahr blau. Natürlich habe ich nicht nur blau gepflanzt. Ehrlichgesagt mag ich die Idee von farblich abgestimmten Beeten gar nicht. Für mich ist ein Staudenbeet immer BUNT. Und nicht Pastellfarben oder Ton-in-Ton mit der gerade aktuellen Garten-Modefarbe. Überhaupt, wie soll das gehen, wenn plötzlich alle Stauden in creme-türkies sein sollen. Was mache ich mit den Pflanzen, die ich schon habe? Bis die neuen Pflanzen angewachsen sind und blühen ist doch die Saison vorbei und ich habe im nächsten Jahr schon wieder die falsche Farbe. So ein Unsinn. Doch zurück zum Blau. Gepflanzt hatte ich durchaus in bunt. In diesem Jahr mache ich nun die Erfahrung, dass die Pflanzen nach etwa drei Jahren zum ersten Mal so sind, wie ich sie gerne haben möchte. Und doch blüht es ganz anders! Ich könnte nun mit aller Gewalt wöchentlich einen neuen Sonnenhut pflanzen – Echinacea oder Rudbeckia, ganz egal, am besten gleich beide! – und all die Vergissmeinnicht-Büschelchen, die als blauer Teppich über die ganze Fläche wuchern, sofort des Beetes verweisen, aber Ach, was soll dieses verbissene und rumpelstilzchenhafte NEIN-NEIN-NEIN? Ist denn mein überraschend blauer Bauerngarnten nicht ein schöner Anblick? Wenn in zwei Wochen die von irgendwoher herbeivagabundierten blauen Riesen, die zur Zeit alles überragen, verblüht sind werden sie gestutzt oder ganz entfernt und die Bühne ist wieder frei für Phlox, Trollblume und Mädchenauge. Bis dahin erfreue mich an dem überraschenden Blau und bin gespannt, welche Überraschung als nächste kommt. Sommer ist blau.

Der Sommer hat jeden Tag neue Seiten. Die anderen Jahreszeiten sind sehr klar in ihren Themen und Eigenschaften, aber Sommer ist alles auf ein Mal…

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.